“Einen schönen ersten Advent”, wünscht mir die Kollegin am Freitagnachmittag, zum Abschluss einer wiederum wahnwitzigen Arbeitswoche. Sie klingt dabei so, als sei das ganz selbstverständlich, das jetzt zu wünschen, was mich kurz irritiert. Ist es doch schon wieder so weit. Okay.
Wir müssen also an diesem Wochenende endgültig abnovembern. Was ich ein wenig bedauere, da ich dem Monat und seiner Atmosphäre gegenüber eine freundliche Haltung pflege, aber was nützt es. Weihnachten steht schon in den Kartons im Flur unserer Wohnung bereit, in einigen Läden hier sind die Adventskalender ausverkauft und in der Grand Hall im Hauptbahnhof haben sie in diesem Jahr so viel Leuchtzeug montiert, dass für andere kaum noch etwas übrig sein kann.

Der nächste Werktag ist dann also schon im Dezember. So richtig glaubwürdig klingt es für mich nach wie vor nicht, der gefühlte Monat weicht ab.
Auf meinem Nachmittagsspaziergang in der frühen Dämmerung kommt mir Spider-Man entgegen. Im bekannten rotblauen Kostüm, sonst könnte ich ihn ja nicht erkennen. Die Szene gibt uns allerdings keinen Aufschluss darüber, warum da ein Mann im Spider-Man-Kostüm durch die Stadt geht. Es ist wie so oft: Es ist einfach so.
Er wird trotz seines auffälligen Aussehens kaum beachtet. Denn auch als Superheld fällt man hier noch lange nicht auf, da muss man schon anderes veranstalten, um die Aufmerksamkeit der Passanten zu gewinnen, als nur in exzentrischen Klamotten durch die Fußgängerzone zu gehen. Denn ein anspruchsvolles Publikum sind sie stets, die entertainmentverwöhnten Menschen in den großen Städten.
Spider-Man geht, wenn man genauer hinsieht, nicht eben dynamisch. Spider-Man schlurft eher etwas unmotiviert dahin, und er scheint auch deutlich hängende Schultern zu haben. In den Comics, die ich als Kind gelesen habe, sah das anders aus, in den Kinofilmen, die ich allerdings nicht kenne, sicher auch.
Es ist ein Novembersuperheld, den wir hier sehen, mit etwas trauriger, energieloser und melancholischer Anmutung. Ich sehe ihm einen Moment nach, aber er macht weiterhin nichts. Er geht da einfach nur und verschwindet schließlich zwischen den heimelig sein sollenden Holzhütten auf einem der vielen Weihnachtsmärkte aus unserem Blickfeld.
Er verschwindet dort in etwa so, wie der November mit seinem stabilen Grau und seiner immerhin verlässlichen, berechenbar gedrückten Stimmung im rotgoldenen, rauschenden Dezemberweihnachtswahn vergehen wird.
Womit er dann also doch etwas gemacht hat, dieser Spider-Man, nämlich immerhin einen Eindruck. Und das kann ich nicht an jedem Tag von mir behaupten.
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