Bedingt durch den dummerweise weiter anhaltenden Rückenschmerz und vermutlich auch durch lustige Medikamente ist mir vor zwei, drei Tagen ein Mittagsschlaf passiert, den es in dieser Ausprägung auch als Standard-Internet-Scherz, als Meme, gibt. Nämlich jene Nickerchen-Variante, bei der man so abgrundtief schläft, so gründlich abrutscht, so dermaßen nachhaltig nickert, dass man sich beim Aufwachen für einen kurzen Moment fühlt, als sei man im Schlaf auf der Zeitschiene des eigenen Lebens entgleist. Als würde man daher gerade neben, nicht mehr in der Zeit liegen. Nicht mehr in jener Zeit, in die man doch eigentlich hingehört und in der man sich auch gut auszukennen meint.

Man fühlt sich in etwa so aus allem gefallen, so dermaßen draußen, als seien diverse Varianten der Zeit und des Zustandes der Welt, der Umstände und der eigenen Person gleichermaßen möglich und wahrscheinlich.
Als könne es z. B. sein, dass man nach Verzehr eines eiligen Nutellabrotes zum Bus laufen müsse, um in der Mittelstufe die Geschichtsklausur zu schreiben. Oder man fühlt sich, als könnten mehrere Frauen verschiedener Altersstufen als aktuelle Partnerinnen in Betracht kommen. Als könne es ferner sein, dass man doch eher Single ist. Oder aber liierter Vater von ein bis zwei Kindern, wie viele auch immer es nun genau waren. Und diese Kinder wiederum könnten Kleinkinder, Schulanfänger oder längst Teenager sein, vielleicht auch schon ausgezogen.
Man weiß es gerade nicht genau, man muss erst ein wenig nachdenken und sich konzentrieren. Bitte warten Sie, blendet das Hirn dabei kurz ein, während es langsam wieder hochfährt.
Es kommt einem also für einen kurzen und betont seltsamen Moment alles gleichermaßen auswählbar vor. Für eine Sekunde etwa auch gleich plausibel. Wie bei einer Roulettekugel, die kreisend an sämtlichen Feldern vorbeirollt. Und dabei noch so viel Geschwindigkeit hat, dass man zunächst absolut kein Ergebnis dieses Laufs abschätzen möchte oder könnte.
In meinem Fall fand ich das so verwirrend, dass ich nicht einmal dazu kam, eine der möglichen Varianten schlimmer oder besser als die andere zu finden. Es fand zunächst also nicht einmal eine Verknüpfung von Themen und Bewertungen statt.
Nach dem bemerkenswert späten Einrasten der Möglichkeit „2026“ mit entsprechendem Familienstatus, Wohnort, Gesundheitszustand etc. dauerte es schließlich immer noch eine Weile, bis ich endlich auch zur Klarheit bezüglich des Wochentags und schließlich noch der Uhrzeit durchdringen konnte.
Wobei die Sache mit der Tages- und Uhrzeit verwirrend lange dauerte, denn es war eine eigenartige Lichtsituation im Zimmer, die mir mehrere Deutungen zuzulassen schien. Ganz zum Schluss dieses Prozesses erst dämmerte langsam, als würden die Einzelheiten Stück für Stück eingeblendet, ein Ring von To-Dos, Terminen und üblichen Tragödien rund um meine aktuelle Situation in meinem Bewusstsein.
Damit war ich erst komplett in der richtigen Situation angekommen. In die ich, nach allem, was ich zu wissen meine, auch gerade gehöre und schreibe, etwa diesen Text. Es bleibt aber küchenpsychologisch interessiert anzumerken, das wollte ich nur eben sagen, dass ich für einen Augenblick nennenswert bewusster als sonst mitbekommen habe, wie die Auswahl der anzuwendenden Stimmung dabei passierte.
Denn Auswahl hat man, das stand für mich fest. Tatsächlich Auswahl. Als würde man zögerlich vor dem Schrank stehen und die Kleidung für den Tag aussuchen. Was trage ich denn heute einmal, Schwarz oder Dunkelgrau?
Das ist gewiss keine neue Erkenntnis und nicht überraschend. Das bekomme ich nur normalerweise nicht so deutlich präsentiert. Man wacht nicht auf und fragt sich, wie bin ich denn heute mal drauf. Wie könnten meine Vibes diesmal sein, was nehme ich denn heute für ein Stimmungskostüm. Also normalerweise wache ich jedenfalls nicht so auf. Ich hänge vielmehr meist schon beim Aufwachen in der dominierenden Stimmungsumgebung der Woche, des Vortages, der letzten Stunden fest. Und selbst wenn ich nicht festhänge, ergibt sich die Stimmung meist unabsichtlich und nebenbei. In etwa so unbeachtet und ohne jede Reflexion, wie man vielleicht auf der körperlichen Ebene in seine neben dem Bett bereitstehenden Hausschuhe steigt oder sich einen Morgenmantel anzieht.
Ganz ähnlich, so denke ich, wirft sich die Seele an den meisten Tagen die Stimmung über. Ich könnte mich nun, wenn ich Zeit dafür hätte, wiederum zur Meditation zurückziehen und mit dem gebotenen Ernst der sich aufdrängenden Frage nachgehen: Wenn ich beim Aufwachen die Auswahl bezüglich meiner Stimmung habe – in welcher Stimmung mag dann der Auswählende in diesem Moment sein? Was ist die Grundausstattung, Normalnull? Oder Melancholie als Mittelwert?
Aber wie auch immer. Ich werde mich wohl erst einmal wieder um das „foolish grin“ bemühen. Das ist immerhin auch ein Basic-Feature.
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