Es gibt diese Frage, die in den sozialen Medien während der letzten paar Jahre, seit dem Ausbruch der Pandemie, oft anklang: Ob man gerade depressiv werde oder ob die Lage einfach nur so schlecht sei. Und wie man das unterscheiden könne etc. Und dann auch noch, ob man es überhaupt unterscheiden müsse.
Man kann dem auch ernsthaft hinterherrecherchieren. Wobei sich dann herausstellt, dass es erwartbar kompliziert ist und keinesfalls mit simpler Strategie zu beantworten. Zumal auch Mischzustände in hundert Variationen erwartbar sind. Logisch, und das weiß man eigentlich alles schon, auch ohne es nachzulesen. Aber ab und zu, das stelle ich immer wieder fest, ist es doch gut, etwas nachzulesen.
Andernorts las ich neulich, dass der Champagnerkonsum in unserem Land um 10 % zurückgegangen sei. Woraus wir einigermaßen sicher ableiten können, dass die Lage gerade nicht die beste ist und dieser Umstand unsere Laune nicht hebt. Jedenfalls nicht bis zur Feierlaune. Um das soziologisch einmal fundiert und mit Beweismitteln geklärt zu haben.
Ich komme nur darauf, weil es eine vergleichbare komplizierte Frage gibt, die sich auf den von mir gelegentlich und mehr oder weniger scherzhaft angeführten Begriff Nörgelrentner bezieht. Die Frage nämlich, ob etwas an der Gegenwart tatsächlich und ernsthaft, vielleicht sogar bei einigermaßen gesichert objektiver Betrachtung, schlechter wird, vor die Hunde geht, nachlässt und zum Teufel geht. Oder ob man nur allmählich zu alt, zu konservativ oder zu nostalgisch für diese gerade beobachtete Entwicklung ist. Ob sie einem also lediglich nicht passt.
Was einem dann generationsmäßig vielleicht zusteht. Denn man läuft als Modell nun einmal irgendwann aus und steht fast unweigerlich für die Werte einer vergangenen Epoche. Es dürfte aber nicht zu Aussagen verleiten, die nach Allgemeingültigkeit klingen. Auf die Frage, ob man bei dem jeweils betrachteten Thema also gerade vor einem Martenstein-Risiko steht, darauf läuft es hinaus.
Das ist aber, es fiel mir gestern wieder in aller Deutlichkeit und auch Lästigkeit auf, eine Frage, die ebenso schwer zu beantworten ist wie die erstgenannte mit den Depressionen. Ist die Lage schlimm, wird die Lage gerade schlechter? Heiße ich Waldorf oder Statler, bin ich der Zukunft nicht mehr zugewandt und was erlauben Jugend?
Wenn man erst einmal anfängt – man kann Stunden damit zubringen, dieses weite Themengebiet versuchsweise strebsam zu ergründen, also mit Interesse an Wahrhaftigkeit und Tatsachen. Und die eher simple Frage im Büro, früher so routiniert beantwortet, ob man einen Prozess nicht mal eben ändern könnte oder müsste und wie – sie gewinnt auf einmal eine etwas andere Dimension.
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Zum Thema Nörgelrentner und wird die Lage wirklich schlechter – ich glaube diese heutige Unzufriedenheit liegt nicht unbedingt an den gegebenen Fakten und tatsächlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten. In meiner Kindheit in den 50er und 60er Jahren ging es wirtschaftlich schlechter, aber es gab eine sehr viel hoffnungsvollere Stimmung, weil es besser war als das, was in den 30er und 40er Jahren stattfand. Man richtete sich nach vorn und es gab Hoffnung, dass es weiter voran geht, wenn auch manchmal in ganz kleinen Schritten.
Heute ist die Stimmung eher so, dass es immer nur noch schlechter wird, obwohl es den meisten Menschen eigentlich vergleichsweise gut geht, weil es in den Jahren davor besser schien. Und ich bin auch der Meinung, dass diese sogenannten „Nörgelrentner“ teilweise noch sehr jung sind.
Man kann Champagner auch in ernster Lage trinken. Vielleicht sollte man es sogar gerade dann tun, womöglich ließe sich daraus ein Immerhin-Satz formulieren. Ansonsten meine volle Zustimmung.