Ach guck, ein Bild

Pia Ziefles Tagesgedanken.

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In der Reihe der Bloggeburtstage haben wir eine stolze 24. Gratulation!

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Beim Deutschlandfunk gibt es eine Lange Nacht über Marlen Haushofer. Die Sendung ist empfehlenswert, wie auch Haushofers Bücher. Allerdings, fast möchte ich eine Warnung einfügen, wird ihr letzter Text darin komplett zitiert, und das ist ein erstens ungewöhnlich beeindruckender Text, über den man zweitens vielleicht etwas länger und gründlicher nachdenken möchte. Und dafür muss man dann Zeit haben.

Ich kannte diesen Text schon, ich finde ihn wichtig und habe ihn in den letzten Jahren mehrfach gelesen. Denn das ist so etwas, darauf kann man zurückkommen.

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Mir gehen ansonsten bald die Bilder aus, merke ich gerade. Also die Bilder, mit denen ich hier die Artikel zu verzieren versuche. Mal mehr, mal weniger gut zum tagesaktuellen Inhalt passend, wofür ich einen gewissen Vorrat brauche.

Ich müsste also wieder mehr vor die Tür und mich deutlich mehr in der Stadt, an der Alster, an der Elbe und an der Bille herumtreiben, mich dort in Ruhe umsehen. Den Motiven auch eine Chance geben! Ich müsste wieder mehr von diesen Motiven vor die Kamera, also vor mein Smartphone bekommen. Damit am Ende genug Überraschendes dabei sein kann, das mich dann auch zum Aufnehmen verleitet. Ich bin leider nicht gut darin, Bilder gezielt zu suchen. Ich bin etwas besser darin, irgendwo eher unverbindlich in die Gegend zu gucken und dabei plötzlich zu denken: „Ach guck, da ist ja ein Bild.“

Es wird also etwas Zeit erfordern, Zeit und auch Einsatz, zu ausreichend neuen Fotos zu kommen. Denn ich brauche dann auch noch welche für den nächsten Winter. Siehe auch bei Frederick, oder wie hieß diese Maus aus dem Kinderbuch mit der unangenehm dick aufgetragenen Moral.

So ist das nämlich, wenn man die Bilder noch selbst macht und mit der AI-Ästhetik eher wenig oder gar nichts anfangen kann. Man muss dann etwas tun, was über einen Prompt hinausgeht. Man muss sich bewegen und umsehen und also alte Kulturtechniken einsetzen, wie so ein Mensch aus dem letzten Jahrhundert.

So gesehen hat der Einsatz des Smartphones auf diesen Spaziergängen zum Zwecke der Bildgewinnung fast schon den nostalgischen Charme der Analogkamera. Wird man dabei doch bald im Modus einer guten alten Zeit durch die Gegend laufen, wenn man stoisch weiter selbst knipst. Allein das Wort schon, wovon spricht dieser Silbergreis da.

Bilder en plein air aufzunehmen, das wird daher alltags- und kulturgeschichtlich in Kürze zu einem klaren Fall von Reenactment und Retrochic für seniorige Rückwärtsgewandte, soviel Vorhersage darf schon sein.

Aber egal. Der Junge muss jedenfalls an die frische Luft.

Ein Paar am Ufer der Außenalster, als Silhouette, von hinten fotografiert bei Abendlicht unter noch kahlen Bäumen

Siehe dazu auch weiterführend und contentassoziativ passend bei Kiki. Aber siehe andererseits ebenfalls den Einwurf aus der Sicht von Vanessa, die wiederum auf Christian verweist, der zu Kiki linkt. Wir bloggen im Kreis, fast wie damals.

Diese beiden Sichtweisen jedenfalls, die der bedrohten und bereits jetzt schwer missbrauchten Kreativen (siehe bzw. höre auch im Podcast „Frauen und Technik“ das Interview mit Lena Falkenhagen zum Thema Schriftstellerei und Urheberrechtsverletzung im großen, im ganz großen Maßstab, die Folge hier) und die der Menschen, die sich im Büro um Effizienz bemühen und neue Werkzeuge nutzen – die habe ich verrückterweise beide in meinen Berufen. Also auch im Ablauf weniger Stunden an einem normalen Tag.

Und ich merke in letzter Zeit, dass mein geistiger Spagat zwischen den so weit auseinanderliegenden Positionen, Möglichkeiten und Risiken hier und da mittlerweile etwas anstrengend ist.

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2 Kommentare

  1. Dazu passt, dass die analoge Fotografie im März immatrielles Kulturerbe wurde …. als DIY-Bloggerin mangelt es mir tatsächlich nie an Bildern …. ganz im Gegenteil ….

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