Noch einmal der Terminhinweis für Franken

Am Donnerstag dieser Woche lese ich abends um 19:30 im oberfränkischen Forchheim in der Herder-Ehrenbürg-Mensa, das kostet sieben Euro Eintritt. Und ist gar nicht mal so weit von der Metropole Nürnberg entfernt.

Die Veranstaltung wird dort so angekündigt: “Maximilian Buddenbohm liest aus „Marmelade im Zonenrandgebiet“, „Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein“ und andere Texte. Er begegnet skurrilen Mitmenschen, einer sehr schönen Frau und versucht, auch in den absurdesten Situationen seine Würde zu bewahren.

Dann werde ich das jetzt mal entsprechend vorbereiten.

Bauarbeiten

In den nächsten Tagen wird hier etwas am Blog herumgebastelt, unser aktuelles Theme wird nicht mehr weiterentwickelt und kommt technisch leider nicht mehr ganz mit. Deswegen sieht die Seite vielleicht hin und wieder etwas seltsam oder unfertig aus, das kann vorkommen.

Wenn es anders und gut aussieht, dann war gerade der Profi im Hintergrund dran, ich empfehle bei so etwas ja den Herrn Fischer, das läuft immer super. Wenn es aber eher komisch aussieht, habe ich selber gerade an einem Knopf gedreht, ich bin da manchmal etwas unbeherrscht und muss bei allen Funktionen herausfinden, was sie alles können. Schon ganz gut, dass ich nicht Pilot oder so etwas geworden bin.

Riesige Veränderungen sind allerdings eh nicht zu erwarten, für den großen Wurf habe ich gerade keine Zeit.

Was man Kindern beibringt

Frau Kaltmamsell fragt hier, was man Kindern heute so beibringt, ausgelöst wurde ihr Gedanke durch Schwimmkurse, es geht da aber auch ums Radfahren und um Küchenfertigkeiten etc., wozu nebenbei erwähnt werden kann, dass Sohn II perfekte Rinderrouladen hinbekommt, er hat eben Interesse am Basteln. Kochen ist so etwas, das bringe ich bei Interesse bei, die Kinder können jederzeit gerne mitmachen, ich verdonnere sie aber nicht dazu und mein Ehrgeiz hält sich auch in Grenzen.

Ich bringe den Söhnen – sofern sie weiterhin Spaß daran haben – aber halbwegs planmäßig Bloggen bei, wobei ich mir einbilde, einer uralten Tradition zu folgen, nämlich der familiären Weitergabe eines Handwerks. In den letzten Jahrhunderten ging es in meiner Familie dabei um Glas, mit dem man etwas als Werkstoff machte, ich habe mich entschieden, eher vor einem Glas zu sitzen und darauf zu starren, es gibt eben in jeder Familie Abweichler. Aber auch die können Traditionen begründen.

Und da ich gerade wieder gefragt wurde, wie das mit den Söhnen und ihren Texten denn geht, erkläre ich das noch einmal. Wir haben hier keine Wunderkindproduktion, die Söhne schreiben also nicht selbst an der Tastatur, die Söhne diktieren mir. Alles andere würde nennenswert zu lange dauern, tagelang womöglich und danach gäbe es dann nur einen Satz. In den Texten wären auf diese Art außerdem noch mehr Rechtschreibfehler als in meinen, das möchte man ja alles nicht. Sie stehen also neben mir, wann immer sich eine Idee für einen Blogeintrag ergibt, und erzählen mir, was es zu schreiben gibt.

Und auch dabei darf man sich nicht vorstellen, dass da spontan ein druckreifer Text aus dem Kind kommt, denn der erste kindtypische Gedanke nach z.B. einem gelesenen Buch ist: “War gut.” Das entspricht in der Textlänge aber nicht ganz dem, was man gerne hätte, als, nun ja, Chefredakteur dieses Onlineangebots habe ich da doch gewisse Vorstellungen.

Ich stelle den Nachwuchsschreibern also möglichst zielführende Fragen und warte auf verwendbare Sätze. Ich lege ihnen nach Möglichkeit nichts in den Mund, der Text soll schon von ihnen sein, aber ich frage so, dass ihnen mit jedem Blogeintrag mehr klar wird, worum es geht. Und dazu gehört für die Kinder eine ganze Menge an Wissen, das macht man sich vielleicht nicht sofort klar. Wenn sie etwa so einen Blogeintrag schreiben, wie Sohn I ihn gerade veröffentlcht hat, in dem ein Geschenk für Kinder empfohlen wird, dann müssen sie sich nach der Lektüre des Buches oder nach dem Hören der CD überlegen:

Für wen das eigentlich geeignet ist, denn da draußen lesen Menschen aller Altersklassen und Eltern mit Kindern von bis den Text, das bedarf einer realistischen Einschätzung. Dazu muss man überlegen, ob es auch dem kleinen oder großen Bruder gefallen hat, ob man es schon von früher kennt, aus der Vorschule vielleicht, ob man es in einem Jahr oder in fünf Jahren auch noch mögen würde. Und ob es Papa gefallen hat, das kann auch von interesse sein.

Wie das Buch gesamt war, denn nicht alle Kinder mögen Gruselbücher und einige lesen nur lustige Werke oder Comics etc., da ist man auf einmal schon nahe an den literarischen Gattungen, man braucht erst einmal irgendeine Schublade.

Worum es überhaupt ging. Diese Frage finden wir als Erwachsene einfach und naheliegend, wenn man aber sieben oder neun Jahre alt ist, dann ist das ganz und gar nicht einfach, sondern sogar sehr schwer. Kinder denken in dem Alter zuerst an genau einen Punkt: “Es geht um den Fuchs!”, danach denken sie erst mit viel Mühe an die gesamte Geschichte, an einen erzählerischen Rahmen und an all das, was wir so selbstverständlich finden.

Warum das Buch oder die CD überhaupt gefallen haben, was war das denn nun? Das ist auch ein enorm schwieriger Aspekt für Kinder, da raucht der Kopf – warum empfand ich da was? Was hat wie gewirkt und warum?

Gab es noch irgendeinen Special-Effekt, den man erwähnen müsste? Tolle Bilder? Und wenn ja, wer hat die gemacht?

Damit ist man dann beim Urheberrecht und bei Credits, das klingt kompliziert, aber das ausgerechnet ist für Kinder ganz einfach. Dass man erwähnen muss, wer was gemacht hat – völlig logisch für sie. Man darf nicht beliebig Bilder aus dem Internet pflücken, das fanden beide schon früh naheliegend, die hat ja wer gemacht, den man erst fragen muss, das ist wie bei fremdem Spielzeug, das irgendwo auf dem Schulhof herumliegt. Und wenn man das teilen darf, muss man den Spender erwähnen, das ist auch klar. Kinder haben einen Umgang mit Credits und Sharing, da können sich viele Erwachsene eine Scheibe abschneiden.

Wenn der Blogartikel von uns selbst bebildert wird, muss man ein sinnvolles Bild machen. Wie präsentiert man ein Buch? Und wie kommt das Bild von der Kamera oder vom Handy ins Netz? Muss man es erst bearbeiten? Wie geht das nun?

Da hängt also eine Menge dran. Einiges klingt verdächtig nach Deutschunterricht, einiges klingt nach Medienunterricht, vieles klingt überhaupt nach Schule und Lehrplan, es ist aber tatsächlich Spaß und es geht auch meistens recht flott. Und nichts davon ist Lernen im Sinne einer Unterrichtseinheit, das ergibt sich alles im Gespräch, ganz nebenbei. Sohn I hat viele dieser Fragen natürlich mittlerweile schon verinnerlicht, Kinder lernen schnell. Bei allem.

Dann lese ich den gesamten Text noch einmal vor, wir verbessern gemeinsam und überlegen, wie das klingt und was noch fehlt. Das tun wir sogar ziemlich lange, denn meistens wird es genau da spannend, da findet man eventuell den eigentlich spannenden Punkt oder sogar eine Pointe. Und dann wird der Artikel gepostet.

Kommentare zu den Artikeln finden sie beide nett, aber wichtig sind sie ihnen nicht. Was sie mittlerweile wirklich gut verstanden haben, ist der Umstand, dass andere Eltern z.B. dieses Buch mit dem Fuchs nicht kennen – und es deswegen ihren Kindern auch gar nicht schenken können. Das ist also sinnvoll und richtig, so etwas weiterzugeben, da gibt es den häufigen Satz: “Da freuen sich andere Kinder”.

Das ist so ein Satz, über den man als Erwachsener nicht lächeln sollte, denn der treibt mich ja auch um. Wenn ich eine vermeintlich gute Pointe schreibe, denke ich im Grunde auch: “Da freuen sich andere Erwachsene”, weiter reicht meine Weisheit da auch nicht, das ist es doch. Und all die anderen Fragen da oben, die stelle ich mir übrigens auch dauernd. Wie war das Buch? Warum schreibe ich jetzt was? Wer soll das lesen, wem sage ich hier was? Und wer hat das übersetzt? (Und wer bin ich und was mache ich hier eigentlich?)

Man muss zuerst auf die richtigen Fragen kommen, der Rest ist Handwerk. Handwerk lernen die Söhne auch in der Schule, Rechtschreibung und Kommaregeln und alles – aber bei den Fragen kann ich ein wenig vorgreifen, weil sich dieser Familienbetrieb hier nun einmal mit so etwas beschäftigt. Es ist der Weg von “War gut” zu “In dem tragischen Roman XY von XY geht es wunderschön geschrieben um …”

Im Moment schreiben beide nur über Produkte und Bücher, vielleicht wird sich das auch noch ändern. Dann gibt es ganz neue Fragen, das wird dann wieder spannend für uns alle. Vielleicht haben sie auch zwischendurch jahrelang keine Lust auf die Bloggerei und Schreiberei, vielleicht vertreten sie mich irgendwann wochenlang, das ist alles recht, es kommt, wie es kommt. Ich kann ihnen nur Begeisterung für eine Tätigkeit vorleben, der Rest ergibt sich irgendwie.

Aber als Sohn I neulich den Berufswunsch Blogger erwähnte, war ich doch tatsächlich ein klein wenig stolz. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Gelesen – Christoph Peters: Stadt Land Fluß / Heinrich Grewents Arbeit und Liebe

Der Herr Peters ist jemand, der herausragend gut Berufe literarisch darstellen kann (kam hier schon einmal vor), das ist wirklich auffällig. Man liest da in “Stadt Land Fluss” von einem verkrachten Kunsthistoriker und von einer strebsamen Zahnärztin und auch von niederrheinischen Bauern, und immer denkt man, ja, das ist so, das passt perfekt, das ist gut, das sieht man alles vor sich, so arbeiten die, wie interessant, da können gerne noch ein paar Seiten kommen. Und dann fällt einem wieder auf, wie selten normale Berufe gut beschrieben in Romanen vorkommen.

Christoph Peters recherchiert gründlich, das merkt man, und er kann dann, ich weiß gar nicht, wie er das macht, das gesammelte Material so unterhaltsam darstellen – Sendung mit der Maus nichts dagegen, nur eben als Literatur. Obwohl er reichlich Fakten darstellt, kommen die immer als Geschichte rüber, da ist nichts dröge oder langweilig, nie fällt das in einen referatartigen Stil und doch kommt immer noch ein Detail. Ich finde das bewundernswert, das scheint mir kaum jemand in der aktuellen Literatur so zu machen. Oder ich lese zu wenig oder die falschen Bücher, das kann natürlich auch sein.

Ansonsten geht es um eine Liebe, die aus Gründen vergangen ist, die man erst nach und nach versteht, das ist tragisch und herbstlich gerade passend. Es geht aber auch um verschwindende Dörfer und um ein Landleben, das so nicht mehr wiederkommt und jede Romantik verliert, Beton gegen Fachwerk, das ist also nicht die heiterste Lektüre, aber doch gut für den November.

Bei “Heinrich Grewent” wiederum wird u.a. Büroarbeit geschildert, die noch ganz ohne Computer stattfindet. Und ohne weitere Komplimente sei hier nur kurz erwähnt, dass ich bei den ersten Kapiteln den Backflash des Jahres hatte. Neunziger Jahre, im Büro bis spätabends auf dem Fußboden herumkrabbeln, um etliche getippte Seiten zusammenzutackern, deren Gesamtbild jemand anderes dann wieder an der Schreibmaschine weiterverarbeitet, da dann hektisch und handschriftliche Randnotizen ergänzen, alles noch einmal zurückgeben, später stundenlang am Kopierer stehen, mit Schere und Kleber arbeiten, bis endlich nach Tagen voller Überstunden ansprechende Berichte entstehen, die dann mit dem Kurier in eine Druckerei geschickt werden, damals, hundert Jahre vor Powerpoint, wir hatten ja nichts! Ich kann mich endlos in solchen Details verlieren. Beruflich beschäftigt sich die Hauptfigur hier übrigens sehr überzeugend mit feuchtem Toilettenpapier, und daran ist gar nichts albern, nichts überzogen, das ist ganz selbstverständlich, das ist eben ein Job, ich möchte Herrn Peters einen Orden dafür geben.

Aber auch sonst ein interessantes Buch, wieder mit einer seltsamen Krise in der Liebe und einem unvermutet herausgeforderten Protagonisten, der sich dem Elend tapfer stellt, das passt also auch noch ins Herbst-Package und dafür seien die beiden Bücher auch ganz ausdrücklich empfohlen.

November

Zur Vorbereitung auf die Lesung in Stuttgart musste ich mein eigenes Blog nochmal lesen, ganze Jahrgänge, weil ich die geeigneten Texte nicht alle parat und ausgedruckt hatte, das war eine überaus seltsame Übung. Da fand ich Texte, die ich komplett vergessen hatte, teils mit Pointen, die mir völlig neu waren, manche sogar recht lustig. Es gab Texte, die fand ich besser als das, was ich heute schreibe, es gab Texte, die fand ich schechter. Es gab Texte, die ich zeitlich vollkommen falsch einsortiert hätte, die in anderen Jahren und unter anderen Umständen entstanden sind, als ich es erinnere. Da gab es auch mehrere brauchbare Ideen, die ich dann aber aus irgendwelchen Gründen nie fortgeführt habe, Herr Buddenbohm treibt Nebendinge und ist leicht abzulenken, es ist schlimm. Da gab es viele, viele Kommentare von Menschen, die nicht mehr leben oder die auf andere Art verschollen sind, und da muss man dann auch erst einmal eine Weile drüber nachdenken. Und früher gab es überhaupt die besseren Kartoffeln und auch viel mehr Kommentare, das murmelt man beim Lesen dauernd, das liegt aber vor allem an Twitter und FB, wo eben heute kommentiert wird. Und das ist immerhin technisch zu lösen, da muss man nicht bei der Erkenntnis stehenbleiben.

Da gab es natürlich auch verbesserungswürdige Stellen ohne Zahl, verunglückte Grammatik, Rechtschreibfehler, Kommafehler etc., ins Leere laufende Sätze und schräge Formulierungen, damit darf man auf keinen Fall jemals anfangen und daran herumarbeiten, aus der Nummer kommt man sonst vermutlich nie mehr heraus. Immerhin habe ich aber, abgesehen von Petitessen, nichts gefunden, was mir aus heutiger Sicht schlimm peinlich sein müsste, das ist doch auch schon ein großes Glück und wohl gar nicht selbstverständlich, wenn man mehr als ein Jahrzehnt verbloggt hat. Hätte ich mit zwanzig Jahren angefangen zu bloggen, das Ergebnis wäre sicher ein anderes, da graut es mir schon bei der Vorstellung, da hätte ich Liebeskummer verbloggt und höchst seltsame Phasen.

Es gab viele Einträge aus der Zeit, als die Söhne Babys waren, diese Phase ist mir schon wieder fremd geworden, es ist eigentlich unvorstellbar lange her. Im nächsten Jahr hat Sohn I schon ein zweistelliges Alter

Und es gab auch einen Text nicht, nämlich einen, den ich offensichtlich nie geschrieben habe, von dem ich aber ganz sicher war, ihn einmal gepostet zu haben, den habe ich umsonst gesucht. So ein langjähriges Blog ist eine merkwürdige Sache, die Erinnerung betrügt einen.

Dabei habe ich jedenfalls auch den Novembereintrag vom Dunkeltuten wiedergefunden, geschrieben vor vier Jahren. Und der ist eigentlich immer noch gültig, weil der November immer noch November ist und weil die Schlussfolgerung eh Bestand haben wird. Und da dachte ich, verlinkste den noch einmal. Man muss den November ja nicht neu erfinden.

Geschenktipps für Kinder – die seltsameren Ideen

Die nächsten Wochen bieten sich für Geschenktipps an, nicht wahr, einige ratlose Menschen werden schon auf der Suche sein. Die Söhne und ich geben also ab und zu ein paar Hinweise auf Sachen, die uns in diesem Jahr gefallen haben – ohne Affiliate-Gerödel, ohne bezahlte Werbung, einfach so.

Los geht es mit zwei vermutlich seltsam anmutenden Hinweisen. Nach den Spielerfahrungen hier zu urteilen, die ich nicht nur bei den Söhnen sondern auch bei deren Freunden beobachtet habe, handelt es sich aber in beiden Fällen um so etwas wie völlig unterschätze Knaller. Nämlich erstens: Ein Geldzählbrett. Wenn unklar, bitte den Begriff genauso googeln, dann staunen und erinnern, das hat man doch mal bei der Bank oder der Post gesehen. Das soll ein Spielzeug sein? Was?

Und ob es eines ist. Es ist erheblich interessanter als jedes Sparschwein, es führt zu stundenlanger und hochkonzentrierter Geldzählerei, es übt ganz nebenbei auch noch Mathe mit den Kindern. Und nachdem ich das jetzt wochenlang beobachtet habe, möchte ich mit großer Sicherheit behaupten – das Ding macht Kindern Spaß. Man kann es natürlich auch sehr passend mit einem Sack Kleingeld überreichen, das macht das Geschenk sicher noch attraktiver, sehr kleines Kleingeld reicht auch.

Hier gab es das zur Einschulung von Sohn II, und die Söhne haben spontan beschlossen, künftig gemeinsam zu sparen und das Geld nur noch in dem Teil aufzureihen und zu zählen. Das hatte dann noch einen Nebeneffekt, denn weil die Söhne selbstverständlich zwischendurch doch einmal Einzelwünsche haben, müssen sie eventuell entnommene Anteile von der Gesamtsumme abziehen, die dann wieder neu durch zwei geteilt werden muss, um die Anteile neu zu justieren und wieder und wieder abzuwägen, ob nun gemeinsame oder Einzelziele attraktiver sind. Das ist gar nicht unkompliziert, denn man muss sich für derartige geschäftliche Entscheidungen mehrere Zahlenwerte merken – aber man staunt, wie die Kinder plötzlich rechnen können, dabei entstehen sogar erstmals im Leben formelartige Notierungen. Es ist eben alles eine Frage der Motivation.

Der zweite Tipp ist eigentlich so naheliegend, dass ich mich fast wundere, wieso man das Gerät nicht längst in jedem Kinderzimmer findet: eine mechanische Schreibmaschine. Die bekommt man auf dem Flohmarkt für kleines Geld, Farbbänder und Tippex gibt es immer noch im Handel, das Zeug riecht sogar noch wie früher, da staunt man. Eine mechanische Schreibmaschine ist für alle Kinder ab Vorschule ein Hauptspaß, ein Sofortdrucker ohne Bildschirm, ein krasses Gadget mit Retromechanik – und man kann damit sogar richtige Botschaften produzieren! Die andere gleich lesen können! Ohne App oder Programm oder besondere Hardware oder so, ganz einfach, das freut auch den Feind des Digitalen, es gibt doch in allen Familien solche seltsamen Vögel. So eine Schreibmaschine ist erstens wirklich bestes Entertainment für die Kinder, sie ist zweitens mittlerweile aber auch ein veritables Stück Kulturgeschichte und übt dann noch Buchstaben und sowieso irgendwann erwünschte Tastaturkenntnisse – und sie sorgt für eine Geräuschkulisse im Kinderzimmer, bei der zumindest Menschen meines Alters schwerst nostalgisch werden und plötzlich bei der Arbeit wieder rauchen möchten, wie damals, als man noch im Einzelbüro saß und tagelang zweifingrig auf die Buchstaben hämmerte, man kann es sich schon fast nicht mehr vorstellen.

Aber da reißt man sich als Vorbild natürlich zusammen und raucht nicht. Und man braucht auch kein Nikotin, man kann ja ab und zu ja am Tippex schnüffeln. Wenn die Kinder nicht hingucken, versteht sich.

Geldzählbrett und mechanische Schreibmaschine jedenfalls – beides Zeug aus der Vergangenheit, beides sicher überaschende Geschenke. Es muss nicht immer alles erwartbar sein.

Kurz und klein

Wider den Zeitgeist: Clowns

Es ist so oft die Rede davon, dass man gegen den Hass angehen muss, gegen den allgegenwärtigen Schwachsinn und den Irrsinn, ich hatte dazu in der letzten Zeit auch einige Texte hier verlinkt, etwa zum Umgang mit Trollen. Aber Verlinken reicht nicht, man muss auch etwas tun, weswegen ich jetzt eines der brandaktuellen Themen dem Zeitgeist entreiße und in diesem kleinen und kulturverklärenden Blog auf ein harmloses, wenn auch sehr trauriges Lied zurückführe, in dem die Figuren aus dem Titel ausdrücklich überhaupt nicht vorkommen, zumindest nicht als reale Erscheinung. Nix mit Horror, nix mit Grusel, es sei denn, man hält Liebeskummer für ein Thema in diesen Kategorien, aber das führt jetzt zu weit.

“Send in the clowns” von Stephen Sondheim ist ein Klassiker im Repertoire aller großen und ganz großen Sängerinnen und Sänger, ein zunächst vielleicht nicht übermäßig kompliziert wirkendes Stück, aber wohl nicht eben einfach zu singen. Und beim ersten Hören vielleicht auch gar nicht recht zu verstehen – worum geht es da? Es geht um etwas Tragisches, das hört man gleich, um eine schmerzhafte Erfahrung, aber was genau? Es geht um falsches Timing in der Liebe. Eines verliebt sich, das andere will nicht recht, dann doch – da ist der Zug schon abgefahren, “nun steh ich da, vor leerem Haus” – mehr dazu hier.  Im Theater hat man früher Clowns auf die Bühne geschickt, wenn etwas schief ging, um die Panne zu überspielen: send in the clowns. Wobei das eventuell historisch gar nicht stimmt, aber so ist das Bild jedenfalls gemeint, das hat Sondheim immer so erklärt. Das muss man vorab wissen, sonst versteht man den Song nicht.

Auch Frank Sinatra erzählte übrigens bei einem seiner Auftritte, dass ihn wieder und wieder Menschen gefragt haben, was das mit den Clowns denn bloß bedeuten soll, es erschließt sich also auch englischsprachigen Hörern nicht sofort.

Beginnen wir zum besseren Verständnis aber gleich mit der deutsche Version von Tim Fischer, wobei das eigentlich die Version von Zarah Leander ist, geradezu gruselig genau wiedergegeben, da sitzt wirklich jeder Konsonant.

Und danach dann Frankie und Tony Mottola, ebenfalls eine großartige, aber auch hinreißend entspannt wirkende Aufnahme von zwei Altmeistern.

Dann kann man nach seltsameren Sachen suchen, wer hat das denn noch aufgenommen? Da gibt es auch Überraschungen.

Hier noch mit etwas Kontext und Kostüm aus dem Stück, das ist die Version von Liz Taylor:

Man merkt vielleicht schon, das Stück wird nicht zwingend besser, wenn es “schön” gesungen wird, im Gegenteil. Aber noch einmal zum Vergleich:

Es gibt herrliche Clips, in denen Sondheim selbst das Lied unterrichtet, sein Lächeln ist ganz wunderbar und es ist sehr interessant, was er anmerkt:

Aber die Killerversion ist und bleibt doch die von Judi Dench. Herzzerreißend, todtraurig, hoffnungslos. Das ist großes Schauspiel, man sehe sich einmal die Mimik über das ganze Stück hinweg genau an. Umwerfend.

Und so hat man Clowns dann doch wieder ganz gerne – als Andeutung, als etwas unklares Symbol, als bloße Metapher für Pannenhilfe und Seelentrost, als Verkörperung des schöneren Scheiterns. Dazu muss man die Clowns nicht einmal sehen, man muss es nicht einmal für möglich halten, dass sie tatsächlich auftauchen – und da ist auch gut so.

Kleine Anmerkung zum Thema Kindkrankmeldung

Hier drüben gab es etwas zum Wahnsinn der Kindkrankmeldungen, ein völlig irres Thema, je länger man darüber nachdenkt. Auch die Kommentare sind dort lesenswert, da kommen dann noch spannende Zusatzthemen wie etwa Privatversichungen und Beamte. Es ist kompliziert.

Ich kann mich ja schon aufregen, dass einen dieser komplett wahnwitzige Vorgang dazu zwingt, Briefe hin- und herzuschicken, ich meine: Briefe! Mit bunten Briefmarken und so! Alle Welt hat meine Daten, Datenschutz gibt es längst nur noch als Gerücht, aber wenn es einmal total sinnvoll und praktisch wäre, diese auch auszutauschen, dann geht das plötzlich nicht, dann muss man im letzten Schreibwarenladen der Stadt Umschläge kaufen und Briefe schreiben und im Kinderzimmer Stifte suchen und per Hand Adressen abmalen und herausfinden, ob diese Postkutschen heute überhaupt noch fahren und danach auch noch, wo eigentlich im Betrieb dieses Personalbüro ist von dem immer alle reden und wer da für was zuständig sein mag und das alles. Das erzeugt an allen Ecken und Enden des Prozesses komplett sinnfreie Beschäftigungen, nichts als ABM, jemand verkauft Umschläge, jemand trägt Briefe aus, jemand öffnet Briefe, jemand schreibt sie ab, jemand rechnet etwas nach, jemand kopiert ein Blatt, jemand heftet etwas ab und vermerkt etwas darauf, vermutlich sind sogar Stempel im Spiel, die Älteren erinnern sich, alles sinnfrei, ich kann so etwas schon aus beruflichen Gründen nicht ab, das macht mich wahnsinnig. 

Und dann ist es ja so, dass jeder Betroffene irgendwann auf die Idee kommt, dass es doch wirklich wesentlich einfacher ist, sich selbst krank zu melden, statt dieses Riesenrad “Kindkrank” zu drehen und dafür noch finanziell bestraft zu werden, zumal man ja beim Nachdenken über das Thema tatsächlich Kopfschmerzen bekommt. Ich mache das natürlich nicht, ich mache immer alles richtig, eh klar. Aber Menschen bei Verstand? Man muss sich ja nur mal etwas im Bekanntenkreis umhören. Das System zwingt einen geradezu zur Lüge, man kommt sich doch bekloppt vor, wenn man sich dabei richtig verhält. Und wer kann damit schon umgehen, sich bekloppt zu fühlen? Also wer außer mir? Eben.

Ich kann mich noch gut an mein Staunen erinnern, als ich mich zum ersten Mal brav, systemkonform und schafdumm kindkrank gemeldet habe – und mir dann erklärt wurde, wie das geht. Das Procedere ist ein Relikt aus der Bürosteinzeit, das war 1980 vielleicht mal eine moderne, zeitgemäße Lösung, aber das ist wirklich schon eine Weile her.

Pädagogisch wertvolles Gemüse für Familien

Keine bezahlte Werbung, keine Blogkooperation. Einfach nur aus Neugier gestestet.

Etepetete verschickt Biogemüse, das für den Handel zu murkelig ist. Rumpelrüben, verquere Kartoffeln und so weiter, alles, was auf den ersten Blick nicht ganz dem Standard im Supermarkt entspricht. Das kann man alles drüben bei der Firma nachlesen, wie das genau funktioniert, ich schreibe das nicht ab. Da sind manchmal auch Exemplare in den Kisten, bei denen man nicht recht versteht, warum die nicht in den normalen Handel gingen, das folgt alles höchst eigenartigen Gesetzen.

Gemüsebox

 

Die handlichen Pappkisten kommen per UPS und am Freitag, das hat hier problemlos und pünktlich geklappt, das Gemüse war auch trotz der Reise in bestem Zustand, das kann man alles so machen. Wir machen das zwar nach zwei Testwochen nicht weiter, aber das liegt daran, dass ich mit dem Versandkistenkonzept generell nicht mehr gut zurechtkomme und mittlerweile eher ein überzeugter Freund des Wochenmarkts bin. Ware, die ich will, weniger Müll, aus der Region und so weiter, das passt alles. Für andere kommt das Versandkonzept aber gut hin und wir haben jedenfalls nichts gefunden, was uns an der Ware gestört hätte.

Aber das alles nur am Rande, das ist alles ganz unerheblich. Wichtig war die Reaktion der Söhne, die nämlich als typische Stadtkinder tatsächlich keine Ahnung hatten, in welcher Formenvielfalt so etwas wie die normale Karotte aus der Erde kommen kann. Oder die Kartoffel. Es gibt sie ja nur in Perfektion im Handel. In der Kiste waren sehr verschwurbelte Exemplare, auch solche, die zu äußerst flachhumorigen Betrachtungen Anlaß gaben, das ist bei Kindern in dem Alter wohl nicht ganz zu vermeiden. So kam es hier zu der äußerst ungewohnten Situation, dass die Söhne voller Begeisterung Gemüse ausgepackt haben, sehr interessiert an der Formenvielfal, an all den Abweichungen von der Norm. Es kam dabei auch zu spontanen Verliebtheiten in besonders liebenswert vermurkelte Gemüseschönheiten, die dann in ein etwas unreflektiertes Behaltenwollen eskalierten. Da kann man dann als Vater schöne Gespräche über die Vergänglichkeit der Knollen und der Schönheit anhängen, da ist die Sache mit dem Bildungsauftrag dann auch gleich wieder geregelt.

Karotte

 

Tatsächlich wurden die schönsten Sondermöhren dann nur unter Protest der Söhne verarbeitet und auch erst, als sie noch etwas seltsamer aussahen als ohnehin schon. Geschmeckt haben sie dennoch.

Paprika

 

Für Stadtkinder, die ansonsten von Ernte und Landwirtschaft keinen Schimmer haben, ist diese Kiste auf jeden Fall zu empfehlen. Das klingt vielleicht wie ein Scherz, aber ich fand es wirklich sinnvoll.

Das Bestellmodell sieht ein Abo vor, man kann nach zwei Lieferungen kündigen, das hat auch sofort und reibungslos geklappt. Regional wäre das Konzept sicher noch sympathischer und zum Versandhandel kann man eh verschieden Meinungen haben, aber generell finde ich es gut und richtig, wenn solche Firmengründungen ausprobiert werden.

Gemüsebox