
Fangen
Wenn die Söhne Fangen spielen und sich dabei an einem vorher ausgemachten Ort in Sicherheit bringen, dann nennen sie diesen Ort immer “Mi.” Das irritiert mich, denn in meiner Kindheit hieß es Klipp. Und das irritiert wieder andere, denn bei denen hieß es Klippo, mit einem o am Ende. Oder Frei. Oder Aus. Es scheint viele regionale Bezeichnungen dafür zu geben, ähnlich wie beim Brotknust oder beim Apfelgriepsch. Es kommt vor, dass mir ein Kind auf den Schoß springt und mich lauthals zum Mi deklariert. Da bin ich dann froh, dass sie nicht Klippo sagen, denn das klänge doch, als sei ich ein Clown von bestenfalls mäßiger Intelligenz. Mein Papa, der Klippo. Nein danke.
Natürlich habe ich die Herzdame gefragt, was sie in ihrer Kindheit gesagt hat. Die Herzdame kommt aus Nordostwestfalen, einer etwas seltsamen Gegend. Sie verstand die Frage nicht. Ich habe es ihr erklärt, sie sah mich ratlos an. Dann hat sie mir erzählt, dass es so etwas in ihrer Kindheit gar nicht gab. Wenn sie damals Fangen spielten und einer war zu langsam, dann wurde der eben gefangen. Was denn sonst? Da gab es keinen Sicherheitsort, keine Pausenzonen. Nordostwestfalen ist eine Gegend, in der man zur Eindeutigkeit neigt, auch was das Verlieren betrifft. Die Herzdame findet das Mi-Konzept daher total abwegig. Ich habe versucht ihr zu erklären, dass Mi oder Klipp das Spiel wesentlich netter machen. Das war ihr egal: “Wenn man geschnappt wird, dann ist das eben so!” Da habe ich nichts mehr gesagt. Ich habe mich nur noch in Gedanken gefragt, wie sie vor vielen Jahren wohl auf meinen etwas plötzlichen Heiratsantrag reagiert hätte, wenn sie mit anderen Regeln aufgewachsen wäre. “Wenn man geschnappt wird, dann ist das eben so.”
Ich habe manchmal den leisen Verdacht, diese Regel war ganz gut für mich.
(Dieser Text erschien als Sonntagskolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)
Hochgucken, Tag 2
Heute saß mir eine Japanerin in der S-Bahn gegenüber oder sagen wir besser eine Frau, die für mich so aussah, als sei sie Japanerin. Was natürlich auch Unfug ist und falsch ausgedrückt, das Gesicht spricht heutzutage gar nicht mehr für die Herkunft, jedenfalls nicht in Millionenstädten. Sie hätte auch Gott weiß woher kommen können, geboren in Finkenwerder, aufgewachsen in Pinneberg. Oder aus Manila, New York, Rio, was auch immer. Eine Frau, deren Gesicht aber an die japanischen Gesichter erinnerte, die ich aus dem Fernsehen kenne, also von früher, als ich noch ferngesehen habe. Wahrscheinlich haben sich die Japanerinnen seit der Zeit nicht signifikant verändert. Sehen die Menschen auch anderswo aus wie in Japan? Was weiß ich.
Eine japanisch aussehende Dame in auffällig feiner Kleidung, sie hätte einem Modeprospekt entsprungen sein können, Abteilung Kostümchen und fortgeschrittener Business-Chic. Eine japanisch aussehende feine Dame mit dezenter Dauerwelle im lackschwarzen, kurzgeschnittenen Haar.
Die Dame, sie war 40 Jahre alt, wie ich jetzt mal eben festlege, immerhin kann ich hier an fremden Leuten herumdefinieren, was immer ich möchte, aß einen Apfel. Einen rotbäckigen Apfel, der nicht so glänzend aussah wie ein polierter und gewachster Import-Apfel mit diesem unangenehmen Plastiklook. Eher so ein etwas dumpfes Biorot, gesund aber leicht stumpf, fast könnte man von einem Boskooprot sprechen. Sie biss in den Apfel und sah dabei ausgesprochen vergnügt aus, als wäre das morgendliche Verspeisen eines Bio-Apfels eine Quelle verblüffender Belustigung. Sie biss, sah aus dem Fenster, strahlte, lachte sogar ein wenig. So ein selbstvergessenes Lachen, das einem nur herausrutscht, wenn man äußerst gut gelaunt ist.
Unsere Blicke trafen sich und sie nickte mir ein wenig zu, weil sie sah, dass ich ihr Lachen bemerkt hatte. Blitzende Augen, Grübchen an den Mundwinkeln, sie biss wieder ab und kaute. Sah mich weiter an und lächelte und da hätte ich sie fast so people-blog-mäßig gefragt, ob sie etwas gegen ein Foto hätte, ein Foto, um dieses Apfellächeln zu dokumentieren und anderen zeigen zu können. Fast hätte ich sie gefragt,. sie sah mich so an, als wäre es ganz leicht gewesen, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Es gibt immerhin auch Stimmungen, in denen das leichter als sonst ist und Menschen, die morgens in der S-Bahn so lachen, die sind womöglich tatsächlich ansprechbar, wer weiß. Das würde man nur herausfinden, wenn man tatsächlich fremde Menschen ansprechen würde.
Ich finde es also nicht heraus.
Hochgucken, Tag 1
Ich habe also das Handy in der Tasche gelassen und mich in der S-Bahn umgesehen. Das habe ich lange nicht mehr gemacht, die schlechtgelaunten Gesichter sind dort so schwer auszuhalten, dass ich normalerweise morgens stur auf mein Handy sehe, wie alle. Aber im Rahmen des Ich-finde-alles-doof-Monats ist das Handy eben gerade auch doof. Und über doofe Gesichter kann ich wenigstens schreiben, dachte ich, über das Handy eher nicht. Und damit begann der seltsame Teil des Tages.
Ich sah mich in der Bahn um und blieb gleich an dem Typen hängen, der mir gegenüber stand. Der hatte nämlich die gleiche Jacke an wie ich, so eine schwarze Outdoorjacke. Und er hatte auch einen schwarzen Schal um. Er trug außerdem blaue Jeans und braune Schuhe, das war genau mein Outfit. So laufen natürlich Tausende herum, gar keine Frage, dieser Herr hier war aber auch etwa gleich alt wie ich, hatte raspelkurze Haare wie ich und trug ebenfalls eine schwarzgefasste Brille, das ging schon etwas weiter. Im Gegensatz zu mir starrte er aber die ganze Zeit auf sein Handy, wobei er seltsam taubenhaft mit dem Kopf ruckte und sein Kinn unschön einzog. Das sah nicht gut aus.
Ich nahm mein Handy doch kurz heraus und sah drauf, fasste mich dabei wie zufällig ans Kinn und überlegte, ob ich das wohl auch so merkwürdig einziehe, wenn ich Facebook oder Twitter in der Bahn aufmache? Das wäre ja furchtbar. Der Herr mir gegenüber streckte den Kopf vor und zog wieder das Kinn ein, das sah wirklich weder gesund für die Halswirbelsäule noch attraktiv aus. Ich steckte das Handy schnell wieder weg und schob mein Kinn möglichst weit vor. Immer aus den Fehlern der anderen lernen!
Dann stiegen wir aus, ich verlor ihn in der Menge auf dem Bahnsteig sofort aus den Augen. Da, wo ich morgens aussteige, da steigen massenhaft Menschen aus, ich bin Teil einer lustlos dahintrottenden Herde von Büromenschen. Hängende Schultern, leere Blicke, Getrappel von zweihundert Schuhen auf Betontreppen. Ich ging zu dem Coffeeshop, in dem ich jeden Morgen meinen mittleren Latte Macchiato abhole, ohne etwas sagen zu müssen, die kennen mich da seit Jahren. Dafür hat man ja Stammläden, damit man morgens nicht mehr reden muss. Das Gesicht hinhalten zu müssen ist früh am Morgen oft schon Zumutung genug.
Heute allerdings sahen mich die beiden hinterm Tresen, die mir normalerweise den Kaffee machen und das Geld abnehmen, verblüfft an, als ich reinkam. Und teilten mir dann mit, dass ich doch gerade schon dagewesen sei. Oder doch zumindest ein Mensch, der genau so aussah wie ich. Der hat anscheinend klaglos einen für mich bestimmten mittleren Latte mitgenommen, ein wenig seltsam fand ich es schon.
Und dann kam mir auf der Straße vor dem Laden eine Frau entgegen, die nicht nur verblüffend schön war und wehendes Haar wie aus der Fernsehwerbung in den Achtzigern anhatte, nein, die Dame strahlte mich auch noch an. So freudig strahlte sie mich an, dass ich unwillkürlich zurücklächelte, denn es gibt natürlich Ausmaße der Schönheit, da lächelt man lieber erst, bevor man lange über Wahrscheinlichkeitsrechnung nachdenkt. Allerdings erstarb das Lächeln der Dame, als sie sich bis auf wenige Meter genähert hatte und mich genauer sah, und als sie an mir vorbeiging, war das Lächeln definitiv komplett ausgeschaltet. Ich war ganz sicher nicht der, dem dieses fernsehtaugliche Lächeln gelten sollte. Das war vermutlich der andere, der mit dem Kopfrucken, dem Kinnproblem und dem identisch aussehenden Latte Macchiato im üblichen Pappbecher.
Das ist doch ein eher gemischtes Ergebnis des Hochsehens vom Handy, finde ich. Man nimmt wieder mehr Welt wahr, das ist schon richtig. Aber nicht alles in der Welt möchte man auch wahrnehmen. Kopfruckende Doppelgänger und fehllächelnde Damen – nein, also wirklich. Vielleicht doch lieber auf dem Arbeitsweg weiter auf den Twitterstream starren?
Morgen nächster Versuch!
Consul/Buddenbohm
Ich habe etwas geschenkt bekommen. Und zwar zufällig genau zu dem Zeitpunkt, als mich der Vintage-Trend endlich so weit hatte, altes Zeug doch wieder ganz interessant zu finden. Man kann nicht immer jedem Zeitgeist widerstehen, ab und zu ist Mode auch nett. Das rede ich mir zumindest gerade ein, ich bitte von Widerspruch abzusehen.
Ein Koffer mit Reißverschluss und Schlüsseln, alles bestens erhalten.
Das Gerät passgenau im Futteral, es glänzt und blitzt wie neu.
Das Gerät ist fast genau so alt wie ich, ich bin auch von 66. Wir haben einiges gemeinsam.
Unsere Namen passen gut zusammen. Consul und Buddenbohm, das klingt doch irgendwie nach Literatur und so.
Genau wie das Maschinchen schreibe ich auch immer noch, das scheint bei uns beiden der Hauptverwendungszweck zu sein.
Ich bin auch transportabel, ohne dabei besonders reiselustig zu sein. Wenn ich irgendwo ankomme, kann man mich irgendwo hinsetzen und ich schreibe einfach weiter. Wirklich verblüffend, diese Ähnlichkeit.
Und bei Regen nehmen mich Damen gerne unter ihren Schirm und tragen mich durch die Gegend. Ach nee.
Aber die Herzdame würde sicherlich jederzeit bestätigen, dass man auch für mich keine lange Gebrauchsanweisung benötigt.
Ich bin ganz verliebt. So ein schönes Geschenk.
Kleiner Hinweis zwischendurch
Weil es verblüffend viele Eltern nicht zu wissen scheinen und ich es auch nur durch bloßen Zufall bemerkt habe: in Lego-Shops wie etwa in Hamburg gibt es ab und zu Verschenkaktionen. Einmal im Monat genau genommen, anscheinend immer an einem Donnerstag, nur von 16 bis 18 Uhr.
Da werden Sets verteilt, die die Kinder im Laden zusammenbauen müssen, die fertigen Modelle können sie dann mitnehmen. Keine großen Sets, versteht sich, heute gab es etwa diesen kleinen Roboter, im Dezember gab es einen kleinen Aufsitzrasenmäher. Aber hey, kostet nix.
Hinweise dazu findet man jeweils hier, das heißt dann “Mini-Modell-Bauaktion” und erscheint dort im Kalender.
Und nein, das ist keine bezahlte Werbung.
Kurz und klein
„Teenie, kennst Du dieses Poetry Slam- Video?“ „Nö.“ *erklär* Er so: „Achso. Na YOLO halt.“
— Frische Brise (@_frischebrise) 22. Januar 2014
Was mir auf Arbeit am besten gefällt? Die Steckdosen haben keine Kindersicherungen. Das ist ziemlich super.
— Madame de Larenzow (@Larenzow) 24. Januar 2014
Und dann sagt eine Mutter in der Dusche vorm Babyschwimmen zum Kerl, dass ja wohl nur die Männer vorher duschen, damit es nicht so stinkt.
— M4gnu5 N13m4nn (@grindcrank) 26. Januar 2014
Kluge Eltern glauben Ratgebern, dass Drohungen wie „Wenn du nicht, dann …“ pädagogisch inakzeptabel sind. Bis die Kinder so anderthalb sind.
— der_handwerk (@der_handwerk) 26. Januar 2014
Fremdes Kind wirft sich schreiend auf den Boden. Wir laufen vorbei. Kind 3.0: Guck mal, Mama. Die andere Mama ist so anstrengend wie du.
— p47r1c14 c4mm4r474 (@dasnuf) 27. Januar 2014
Die besten Hütchenspieler sind langsam gegen eine Mutter, die das Geschirr vor den Kindern in Sicherheit bringt.
— Frollein_van_B (@Frollein_van_B) 27. Januar 2014
Die Zeit im Winter, in der alle Familienmitglieder gesund sind. Die schönsten 2,5 Stunden des Jahres.
— Frollein_van_B (@Frollein_van_B) 28. Januar 2014
Zur Kita eilen, um dort ein Kind abzuliefern, das da nicht hin will, weiter zur Arbeit hetzen, wo ich nicht hin will. Ich lebe den Traum.
— Heinrich Wawerka (@wawerka) 27. Januar 2014
Du weißt nicht, was wirkliche Demütigung ist, ehe dir nicht beim kindersicheren Hochstellen der Klobürste das Restwasser über den Arm lief.
— Frollein_van_B (@Frollein_van_B) 28. Januar 2014
Frage an mich als Einfach- Mutter: “Wann gehst Du endlich wieder arbeiten?” An mich als Vierfach- Mutter: “Gehst Du etwa wieder arbeiten?!“
— Frische Brise (@_frischebrise) 29. Januar 2014
Mein Frauenarzt damals auf die Frage, ob sich das Ungeborene nun tatsächlich von zu viel Licht abwendet: „Ja. Aber das tun Schnecken auch.“
— Madame de Larenzow (@Larenzow) 29. Januar 2014
Kind 3.0 empfiehlt mir in Sachen Erziehung eine „Vorbildung“ (=Fortbildung). Das helfe den Erzieherinnen im Kindergarten auch.
— p47r1c14 c4mm4r474 (@dasnuf) 29. Januar 2014
Liebe ist, wenn Du Dein bekotztes Kind auf den Arm nimmst und küsst. Leben ist, wenn der Schnaps nicht reicht, den Geschmack los zu werden.
— DadLunatic (@DadLunatic) 28. Januar 2014
Die Frau ist den 2. Abend hintereinander unterwegs, ich hüte die Tochter. Ich war mal der mit der Lederjacke in der Raucherecke.
— Heinrich Wawerka (@wawerka) 29. Januar 2014
Besuchskind zu Sohn 2: „Weißt du, du bist mein aller aller bester Freund!“ Sohn 2: „Warum?“
— Maret B. (@Herzdame) 30. Januar 2014
„Gott ist überall!“ „SO FETT IST DER???“
— mirili (@diepebbs) 30. Januar 2014
Streit schlichten. „Womit hat Tommy dich denn gehauen?“ „MIT ABSICHT!“
— mirili (@diepebbs) 30. Januar 2014
Freund von Sohn II: „Weißt du, dein Sohn teilt nicht!“ Ich: „Ja, was soll ich da machen?“ Freund von Sohn II: „Teilen befehlen! Wie Jesus!“
— Max. Buddenbohm (@Buddenbohm) 30. Januar 2014
Im Café mit den vier Kindern von allen Seiten angestarrt worden. Ein bunter Hund ist GAR nichts dagegen.
— Frische Brise (@_frischebrise) 31. Januar 2014
Die moderne Frau hat 2 Kinder, macht Karriere, führt den Haushalt, ist schön und sportlich. Wie so’n Mann.
— Honig Süss (@honigsuess) 23. Januar 2014
„IM JUST TRYING TO LIVE MY LIFE!“ – good thing to scream at your toddler when he barges in on you in the bathroom.
— Eli Terry (@EliTerry) 18. Januar 2014
„Mama“ ist nur ein Euphemismus für „Serviceeinheit“.
— Call me Cat! (@wittschicat) 12. Januar 2014
Spielplatz. Fremdes Kind:“Meine Mama hat keinen Penis.“ Ich:“Das macht nichts. Sie benutzt den von deinem Papa.“ Jetzt wird’s lustig hier.
— Keks (@namenlos4) 21. Januar 2014
Die Sicherheitsverschlüsse an Kindermedikamenten fördern ja die Selbstheilungskräfte der Kinder ungemein.
— Madame de Larenzow (@Larenzow) 2. Februar 2014
Beim Babyschwimmen jedes mal den Schrank Nr. 404 nehmen und irre kichern, wenn man den wiederfindet. Aber sonst geht es mir gut.
— der_handwerk (@der_handwerk) 2. Februar 2014
Mustererkennung trainieren kleine Kinder übrigens am Besten am sonntäglichen Einzelsockenkorb.
— Michael Buchinger (@MichiBuchinger) 2. Februar 2014
Woanders – diesmal mit Kiezschulen, dunkler Haut, alten Menschen und anderem
Ein Artikel über Kiezschulen mit flüchtenden deutschen Eltern in der Umgebung. Gibt es hier auch. Eltern, die denken, dass alles gut wird, wenn sie nur den Stadtteil wechseln. Man möchte immer gleich den passenden und natürlich happy-end-freien Roman dazu schreiben, wenn man so etwas hört. Aber man kommt ja zu nix.
Und wenn wir schon bei latentem Rassismus sind, diese Meldung lässt einen da vielleicht leise kichernd zurück. Nicht wahr? Hihi.
Von den Schulen zu den älteren Menschen: “Er macht es ja nicht extra.”
Dazu passend: In Berlin stürzen Riesen.
Und noch ein älterer Mensch. Ein Interview mit der Philosophin Agnes Heller. Sehr lesenswert. Wirklich sehr.
Leo Gutsch hat keine Meinung.
Man trägt wieder Kind.
Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, dessen Namen noch nie ein Mensch in einem Rutsch richtig geschrieben hat, womöglich nicht einmal er selbst, er hat eine Meinung und schreibt hier sehr richtige und wichtige Aspekte zu den Schmerzensmännern, die Beruf und Kind nicht vereinbaren können. Die unmotivierten Luschen. Recht hat er.
Mennory über HSP. Kennen Sie nicht? Macht vielleicht nichts.
Stefan Niggemeier über Josef Joffe. Touché.
Ein langes Interview mit dem Wader unser.
Sollte ich nicht der einzige Mensch sein, der beim Thema Ukraine zu lange nicht aufgepasst hat und deswegen nicht genau weiß, worum es eigentlich geht, hier wird das anschaulich zusammengefasst. Das ist manchmal ja hilfreich, so etwas
Bilder: Hier geht es um Pflanzen und wie sie wachsen. Gemüse und so. Tatsächlich verblüffend, wie viele man nicht kennt. Rosenkohl! Nie so gesehen. Auch peinlich.
Auf Forgotify kann man Lieder hören, die auf Spotify noch nie jemand angeklickt hat. Und zwar ein paar Millionen davon. Tolle Sachen dabei, versteht sich, meine Zufallsauswahl war gar nicht so verkehrt.
Nanu. Sehr wenig Bilderlinks in dieser Woche. Was ist denn nun kaputt?
Wintersport damals
Als Kind der norddeutschen Tiefebene habe ich es nicht so mit dem Wintersport. Wir hatten ja damals nichts, wir hatten nicht einmal einen guten Rodelhügel. Ich hatte auch keine Schlittschuhe oder Skier. Aber einen Schlitten, den hat man als Kind natürlich, in jeder Wohnlage, Hügel oder nicht. Wir haben damals Wintersport im Fernsehen gesehen und von diesem schnellen Gleiten geträumt, von den Abfahrten und den irren Geschwindigkeiten. Wäre doch interessant gewesen, auch einmal so abwärts zu rasen? Einmal zogen wir mit den Schlitten an die Steilküste der Ostsee und stellten uns oben an die Kante. An eine Stelle, wo das Ufer ein wenig flacher abfiel. Es sah von oben aus, als könnte man eine Abfahrt überleben. Zumindest schien es nicht völlig ausgeschlossen. Wir standen und sahen lange hinunter zum verschneiten Strand. Wie cool wäre es wohl, unten rodelnd anzukommen?
Ein Freund setzte sich schließlich auf seinen Schlitten, zog die Pudelmütze stramm runter, als wäre sie ein Helm – und ließ sich über die Kante kippen. Schon nach zwei Metern hielten wir das für keine so coole Idee mehr, denn er überschlug sich sofort. Und nach zehn Metern hatte er mit dem Überschlagen noch nicht aufgehört. Dann fing ihn ein Baum, der im Herbst das Ufer hinuntergerutscht war, gnädig auf. Er blieb mit einem Fuß in einer Astgabel hängen und baumelte kopfüber über dem Strand. “Cool!” brüllte er, “war das cool? Oder was? Jetzt ihr!” Wir kletterten runter und halfen ihm aus dem Baum. Es schien nichts gebrochen zu sein, nur der Schlitten war hin. “Jetzt ihr”, wiederholte mein Freund mit leicht irrem Blick und sah uns erwartungsvoll an. “Ist voll cool!” rief er, “wer das macht, ist voll cool!”
Und seit diesem Tag lebe ich damit, etwas weniger cool als andere zu sein. Und trage es mit Fassung.
(Dieser Text erschien als Sonntagskolumne in den Lübecker Nachrichten und in der Ostsee-Zeitung)