Man gibt weiter, was man hat und kann

Ein Sohn hatte sowohl ein Problem als auch etwa eine Minute Zeit für die Kommunikation mit einem Elternteil. In diesem Fall mit mir. Das kommt in ihrer Lebensphase kurz vor dem endgültigen Flügge-Status nicht mehr so oft vor, da muss man sich sofort Zeit nehmen. Wir redeten also einen Moment zwischen Tür und Angel, aber wir redeten erstens immerhin und zweitens sogar über ein Problem. Und ich fragte ihn, denn man muss so etwas auch auf der grundsätzlichen Ebene angehen, was wir denn da machen, wenn wir ein Problem haben? Hm? Na, mein Sohn, was machen wir denn da?

Mit pädagogisch wertvollem Gesichtsausdruck fragte ich das, es versteht sich wohl von selbst. Jedenfalls versuchte ich mich angestrengt zu erinnern, wie meine Mimik dabei noch einmal fachgerecht einzusetzen war. Obwohl beide Söhne doch mittlerweile eindeutig zu alt für solche Bemühungen geworden sind und es auch eine Weile her sein wird, dass ich dabei auch nur halbwegs überzeugend gewirkt habe. Und obwohl sich eine solche belehrende Kommunikationssituation auch etwas merkwürdig anfühlt, wenn man dabei nach oben sehen muss. „How can I try to explain, cause when I do he turns away again…“ Manche Lyrics merkt man sich nur, um sie Jahrzehnte später im genau richtigen Moment parat zu haben und nach außen hin tonlos zumindest im Hirn mitlaufen zu lassen

Der Sohn musste dann nicht lange nachdenken, seine Antwort war vielmehr sofort da. Etwa wie bei einer mündlichen Prüfung, für die man richtig gut gelernt hat. Es war also tief und sicher verankertes Wissen, das da wie nebenbei abgerufen werden konnte. Es war ihm voll bewusst, was zu tun war: „Wir verstecken uns davor!“

Ach ja. Es ist schon schön, noch mitzubekommen, dass man ihnen alles beigebracht hat, was man weiß. Man ist dann vielleicht für einen kleinen Moment auch ein wenig stolz. Sogar mit der oft eher mühsam und in der Erinnerung bestenfalls fragwürdig ausgefüllten Vaterrolle ist man zwischendurch kurz zufrieden, für eine Minute oder zwei.

Dann musste der Sohn schon wieder dringend weiter, vermutlich um irgendwo anders zu chillen. „Eines Tages“, sagte ich noch, guckte angemessen feierlich und nickte ihm bestätigend zu, während er sich umdrehte und ging, „eines Tages wird all unser Verdrängtes dir gehören.“

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Jahrestagsgedanken

Es war reiner Zufall, dass ich den fünften Jahrestag einigermaßen markant gewürdigt habe. Den Jahrestag gestern meine ich, Sie werden es vielleicht mitbekommen haben, auch wenn er in ihrem Erleben ein wenig im Datum variieren kann. Er wird aber in jedem Fall in diesen Wochen des März liegen. Fünf Jahre Pandemie, da war doch etwas, wenn man es auch vermutlich kaum feiern möchte.

Am Kaffeeautomaten im Büro tauschte man kurz einige Erinnerungen aus, aus seltsam fern wirkender Zeit. Weißt du noch dies, weißt du noch das.

Der 12. März, das war damals das Datum, auf dem der Wandkalender im Büro lange stehenblieb. Weil niemand mehr kam und wir dann diese andere Art von Arbeit erfanden. Weil die Firma, so wie alle Firmen, die nur auf Schreibtischen bespielt wurden, auf einmal virtuell darstellbar war und rein digital bearbeitet werden konnte.

Und ich habe am Dienstag zum ersten Mal wieder, aber ohne an das besondere Datum auch nur zu denken, es war einer dieser sogenannten Zufälle, mein Arbeits-Notebook nach Feierabend im Büro gelassen. Weil ich beim Zusammenpacken auf einmal dachte, was ich jahrelang nicht mehr gedacht habe: „Na, Du kommst ja morgen ziemlich sicher wieder. Da kann das Gerät ruhig einmal hier warten, was soll man das eigentlich dauernd mit sich herumtragen.“

Das habe ich fünf Jahre lang nicht mehr gedacht. Es fiel mir erst einen Tag später auf, als ich morgens die Nachrichten las, mit dem Hinweis auf den Jahrestag. Immer habe ich das Notebook in dieser Zeit mit mir herumgetragen, um jederzeit aus dem Home-Office arbeiten zu können. Um an jedem Morgen frei in der Entscheidung zu sein, le bureau, c’est moi. Es hat sich verblüffend schnell so ergeben, dass dies Routine wurde, es hat sich schnell normal angefühlt. Normal wie in: Das macht man nun einmal so. Als ob es nie anders gewesen wäre.

Nun habe ich einerseits ein leicht seltsames Verhältnis zur Wirklichkeit und besonders zu jenen Szenarien, die man im weitesten Sinne, wie man wohl sagt, als Unke vom Dienst beschreien kann. Ich mag aber andererseits auch nicht darauf verzichten, solche Gedanken hier zu beschreiben. Hier tippe ich und kann nicht anders.

Wenn jedenfalls passend zu diesem Jahrestag und zu meinem im Büro liegengebliebenen Notebook demnächst in den Nachrichten etwas stehen sollte, was im Sinne des so sehr geschätzten Wolf Haas unter „Jetzt ist schon wieder was passiert“ fällt – es tut mir leid.

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Kid37 schreibt einen späten Text über David Lynch, und er musss es ja wissen. Bei keinem anderen Blogger würde man wohl mehr Kompetenz und inhaltliche Nähe vermuten.

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Die S-Bahnstation Hammerbrook mit der roten Einfassung, die selbst nach einer S-Bahn aussieht

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Am Ende eher ernüchternd

Meine Abendlektüre ist gerade Hans Erich Nossack, ein Buch aus dem nach wie vor bemerkenswert interessant gefüllten öffentlichen Bücherschrank: „Spätestens im November“, hier die Verlagsseite dazu.

Irgendetwas zieht mich gerade zum Tonfall, zum Vokabular und zur Sprache der beiden ersten beiden Nachkriegsjahrzehnte, siehe neulich auch der gerne gelesene Böll. Ich kann es noch nicht recht deuten, was da zieht. Aber am Ende hat es sicher einen schwiemelig-nostalgischen Aspekt, der Sprachraum meiner Kindheit oder dergleichen, wer weiß.

Und es wird auch der dringende Wunsch dabei sein, etwas zu lesen, in dem gewisse moderne Begriffe nicht vorkommen. Den Ballast unserer Zeit zumindest für eine Stunde am Abend gedanklich abwerfen, so etwas vielleicht. Das Notebook zuklappen und von analogen Zeiten lesen, kleine Fluchten.

Na, es wird wohl statthaft sein, kurz durchzubrennen.

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Apropos der Ballast unserer Zeit: Im Guardian sah ich einen amüsanten Artikel über das Aufführen und Vortäuschen von Schreibtischarbeit. Der Text enthält mindestens zwei Begriffe, die im Büro-Smalltalk dringend eingeführt werden sollten, dachte ich beim Lesen, nämlich Taskmasking und performative productivity.

Ich hätte das Thema zwar nicht unbedingt mit Generationen in Verbindung gebracht, aber egal.

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Gestern habe ich unanständig und ungeplant viel Zeit mit eher trivialen Software-Fragen zugebracht. Zwar in Verbindung mit AI, also mit dem heutzutage erwartbaren Change und Vorwärts und Hey ho, let‘s go und allem, auch mit beflissenem Forschungsinteresse und altbewährter Neugier, aber am Ende doch so etwas Banales wie Formatierungen in Schreibprogrammen und Tabellen betreffend.

Es war am Ende jedenfalls eher ernüchternd. Kein Fall von Taskmasking zwar, aber doch ein Fall von Zeit, in der man auch aus dem Fenster hätte sehen können, mit vergleichbarem Ergebnis oder sogar mit mehr Gewinn. Aber so ist es eben manchmal, wenn man Sachen ausprobiert.

Als ich aus dem Büro nach Hause kam, hatte die im Home-Office sitzende Herzdame unvermutet eine Frage zu Excel, und als ich diese Frage aus meiner Sicht erschöpfend beantwortet hatte, was wiederum etwas Probieren und vor allem ungeahnt lange Diskussionen beinhaltete, waren der Nachmittag und ein großes Stück vom Abend auf einmal vorbei. Und die Stimmung war etwas angespannt.

Kreideschrift auf einem Fußweg: "Du Eierloch"

Gemeinsames Exceln, Sie kennen das vielleicht, es stellt Paare manchmal vor Herausforderungen, da können überschaubare Themen wie Familiengründung, Erziehung oder Wohnungseinrichtung und Urlaubsplanung nicht einmal ansatzweise mithalten.

Es gab allerdings auch dabei kein brauchbares Ergebnis. Es gab keine Lösung und kein Gefühl, etwas tatsächlich erledigt zu haben. Und dass ich hier eben per freudscher Fehlleistung „erlegt“ statt „erledigt“ schrieb – schöne Grüße aus der Steinzeit, meinte das Unterbewusstsein wohl. Ich wäre jedenfalls heute bereit für irgendetwas, das man im allerweitesten Sinne als Erfolg bezeichnen kann. Es fühlt sich so an, als sei das einmal wieder dran.

Vielleicht werde ich meine Abwesenheitsnotiz schön umformulieren oder dergleichen. Da weiß man dann, was man hat.

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Angedeutete Fluchtwege

Am Wochenende habe ich weiter ein wenig an der Entmilliardärisierung meines Online-Daseins gewerkelt. Ich habe mich also an einen Plan gehalten, hier müssen Sie sich bitte den obligatorischen Triumphmarsch als Soundtrack kurz dazudenken.

Nur äußerst mühsam ernährt sich zwar das Bloghörnchen im Widerstand für Anfänger, aber immerhin einige Schritte habe ich geschafft. Der Browser ist jetzt LibreWolf, das Schreibprogramm und das für die Tabellen sind jetzt von LibreOffice. Was praktischerweise auch Geld spart, und nicht so wenig.

Geht doch, murmelte er nach der Installation, geht doch. Wobei es sich bei so etwas allerdings spät rächt, wenn man irgendwann Familienaccounts eingerichtet hat, so dass an den eigenen Entscheidungen unweigerlich weitere Personen und deren Computer-Schicksale hängen – und man alles mit allen abstimmen muss. Die Sache wird dadurch nicht einfacher.

Eine Weiterleitungs-Mailadresse bei DuckDuckGo habe ich noch eingerichtet, wo ich schon dabei war, das kann man hier machen. Und warum sollte man es nicht machen, in diesen Zeiten.

Wobei DuckDuckGo nicht nur die Suchmaschine und einen Browser betreibt (den ich bisher nicht getestet habe), eine AI-Seite gibt es auch. Mit einem „anonymen Zugriff auf beliebte Modelle“, für den man keine Konten anlegen muss, das findet man hier. Und das geht ebenfalls gut, soweit bin ich schon.

Aber es zieht alles Kleinigkeiten und Rudel von Viertelstundenfresserchen nach sich. Hier passt eine Einstellung nicht, dort ist irgendwas seltsam anders als bei den Großen, als bei Google oder Microsoft. Man muss es alles erst zureiten und sich kunstvoll zurechtbiegen. Man muss nachdenken, vielleicht auch nachlesen und sich hier und da dann entscheiden. Außerdem muss man etwas herumprobieren, sich dann die Ergebnisse ansehen, dann wieder etwas anderes einige Minuten lang versuchen. Einige Minuten lang, die auf einmal zu halben oder ganzen Stunden werden.

Und so verging meine Zeit, die auf Erden mir gegeben war.

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Am Montagmorgen wurde hier ansonsten alles zurückgedreht und das Frühlingswetter erst einmal gründlich abgeräumt und der Stadt verwiesen. Minus ein Grad nur noch, kalt und grau zog der vertraute Nebel erneut durch die frühen Stunden und die Straßen. Die Menschen im Hauptbahnhof und in der S-Bahn sahen nach dem seltsam südlichen, lässigen Sonntag nun wieder verstimmt aus wie immer.

Heimat, süße Heimat, dachte ich da voller Sympathie und hörte auf der kurzen Fahrt ins Büro, während draußen die Verwaltungsgebäude von Hammerbrook im trüben Dunst vorbeizogen, Bill Callahan. Der schien mir zu passen an einem Tag mit gedämpfteren Erwartungen und dem Gefühl des allgemeinen Unverstandenseins schon nach Lektüre der ersten Mail in der Inbox.

Riding for the feeling:

„I asked the room if I said enough

No one really answered.”

Dann bin ich stundenlang auf diesem Trip hängengeblieben. Nicht nur Bill Callahan habe ich gehört, auch Smog, später noch Howe Gelb, Giant Sand, und schließlich Turner Cody, und zwar viel von ihm.

Obwohl doch alles, was im weitesten Sinne Alternative Country ist, viel besser wirkt, wenn man dabei unterwegs ist. Wenn schon nicht auf einem Highway, dann wenigstens in einer S-Bahn oder zu Fuß durch irgendeine Großstadtgegend. Hört man diese Musik auf einem Bürostuhl sitzend, fehlt doch eindeutig etwas. Aber gut, irgendwas ist eben immer.

Vor den Bürofenstern sah ich währenddessen ab und zu oben die weißen Möwen im Flug zum Hafen, unten die roten S-Bahnen auf der Fahrt in Richtung Elbbrücken.

Hamburger Markierungen in der Aussicht, angedeutete Fluchtwege.

Blick entlang der Hammerbrookstraße an einem grauen Morgen, aufgenommen auf der Fußgängerbrücke von der S-Bahnstation aus.

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Es wird etwas gefühlt

Auf dem Heiligengeistfeld werden gerade erneut die Attraktionen des Hamburger Doms zusammengeschraubt, sehe ich beim obligatorischen Sonntagsspaziergang. Also ist, einem alten Scherz zufolge, wieder irgendeine Jahreszeit. Es könnte allerdings diese oder jene sein, dem Bild nach zu urteilen, denn die Passanten tragen Winter- oder Sommerkleidung. Die Temperaturempfindungen scheinen gerade von Mensch zu Mensch noch stärker als sonst abzuweichen. Es geht alles etwas durcheinander an diesem Wochenende.

Im Park Planten un Blomen drüben ist die Eisbahn währenddessen noch geöffnet, es werden auch noch Schlittschuhe darauf eingesetzt. Aber die Amüsierwilligen, die da heute fahren und kreisen, sie tragen buntes, kurzes Sportzeug wie zum Beachvolleyball. Eine gleitet elfenhaft im luftigen Ballerina-Outfit über die Fläche, und eine ältere Frau neben mir, die hier auch eine Weile zusieht, sagt prompt und kopfschüttelnd: „Die holt sich doch was weg.“

Auf den Rasenflächen ringsum blüht tausendfach leuchtend lilafarbener Krokus. Hier und da einige Narzissen büschelweise dazwischen. Sie sind für gelbe Akzente zuständig, in dieser Rolle stets bemüht und auch nicht ohne Erfolge.

Es sitzen etliche Pärchen auf den Parkbänken, die heute endlich einmal weder nass noch kalt sind. Es wird geschnäbelt und gekuschelt und geherzt auf diesen Bänken, es ist hier und da ganz ungemein Frühling. Man sieht es schon im Vorbeigehen deutlich, dass man es fühlen kann. Die Menschen gehen auch auffällig langsamer als sonst durch die Sonne dieses Sonntagnachmittags. Sie bleiben manchmal stehen und halten an manchen Stellen minutenlang ihre Gesichter in die Strahlen. Stehen dann mit geschlossenen Augen dort herum wie Statuen von Balkenhol im öffentlichen Raum.

Sie genießen wohl den Moment, wie man so sagt, sie benehmen sich wie Leute mit Tagesfreizeit.

Ein Mann in sommerlicher Kleidung sitzt vor blühenden Krokussen in Planten un Blomen. Sonnenschein, es sieht nach einem warmen Frühlingstag aus.

Seltsam entspannt wirken sie alle, das ist ungewohnt. Die ganze Stadt wirkt entspannt an diesem Tag, wenn man sich so umsieht. Sogar die riesigen Möwen, die einen Mülleimer am Spielplatz plündern und eine halbleere Dönerbox fachgerecht zerlegen, Fleischfetzen und Pommes dabei um sich werfend, sie machen das irgendwie lässiger und geschmeidiger als sonst.

Man isst außerdem allgemein Eis. Vielleicht ist es das erste Eis des Jahres, dann ist es also ein Eis von gewisser Wichtigkeit und man sagt es sich gegenseitig auch auf, dass dies das erste Eis ist. Nach der Eisbestellung hakt man sich wieder unter und geht gemächlich weiter durch diesen Tag.

Man plaudert und schlendert und probiert auch einmal das Eis des jeweils anderen Menschen. Man leckt kichernd kreuzweise, aber es hat diesmal nichts mit Beschimpfungen oder nicht jugendfreien Themen zu tun.

Es kommen mir ab und zu Leute auf den Parkwegen entgegen, die eindeutig gut gelaunt aussehen. Manche davon gehen ohne jede Gesellschaft und ziehen ganz allein durch die große Anlage. Die sind einfach so in anderer Stimmung als sonst, nicht einmal sozial animiert. Aus sich heraus sind sie so, wie sie heute sind, muss man da wohl annehmen. Als sei es bei uns legitim, normal und gewohnt, beim Gehen einfach zu lächeln.

Und einen habe ich dann noch gesehen, der hat beim Gehen leise gepfiffen. Etwas passiert mit dieser Stadt.

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Wenn Sie aber gerade ebenfalls zu gut gelaunt sein sollten, lesen Sie einfach die Temperaturrekordwerte vom Wochenende nach, das reduziert die Frühlingsfreude sicher wieder etwas. Das markiert dann die notwendige Rückkehr zur allfälligen Betroffenheit und Sorge, was auch schön zum Montag passen wird.

Sollten Sie andererseits intellektuell gerade nicht ausgelastet sein, lesen Sie die Krassen Links von Michael Seemann nach, die helfen dabei verlässlich weiter.

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Nur einige Links

Gerne und mit Gewinn gesehen: „Jeder schreibt für sich allein“, die angenehm lange und also geduldig erzählte Doku zum Buch von Anatol Regnier. Hier die Verlagsseite dazu, ich habe es gerne gelesen.

Man weiß gar nicht, über wen oder was man da beim Zuschauen länger nachdenken soll oder möchte, über die Herren Benn, Kästner, Klepper, Fallada, vielleicht über Frau Seidel oder über andere. Über ihre Abgründe oder ihre Motive, über das Verständliche oder das Unverständliche. Aber wie auch immer. Es lehrt im besten Fall vielleicht so etwas moralische Bescheidenheit, und das wird angebracht sein.

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Im neulich hie erwähnten Reisebericht von Hans Christian Andersen übrigens beschwerte er sich, dass die Zeiten, also seine Zeiten, so unangenehm schnelllebig geworden seien. Das, was früher, aus der Sicht des Jahres 1831 betrachtet, in zehn Jahren passiert sei, das würde nun gedrängt in nur einem Jahr passieren, und das sei doch ungeheuerlich. So seine Klage.

Wenn der wüsste, denkt man sich da unwillkürlich beim Lesen oder Hören, wenn der wüsste. Wo sind wir mittlerweile angekommen, passieren die Ereignisse aus zehn Jahren in zehn Stunden, vielleicht neuerdings schon in zehn Minuten?

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Das milde Wetter gab mir außerdem Gelegenheit, eine weitere Lange Nacht auf einem ausgedehnten Abendspaziergang zu hören, und zwar die über William Faulkner: Mosaik des Erzählens. Ein Autor, bei dem ich noch Etliches nachzuholen habe. Fast alle seine Romane habe ich noch vor mir, und das ist auch wieder recht so. Immer auch ein paar Fernziele im Auge behalten, nicht wahr, das gilt in fast jeder Lebensphase. Nein, kurz überlegt: Es gilt je nach philosophischer Betrachtung in allen Lebenslagen.

Außerdem liest sich der Herr Faulkner sicher noch interessanter, wenn die rassistischen Parteien erst überall ab der Macht sind. Pardon. Moment, ich muss kurz etwas Zynismus wieder hinunterwürgen.

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Nils Minkmar denkt gerade positiver, oder er versucht es zumindest:

In fünf Jahren, wenn ich wieder die Waldrunde gehe, kann ich dann über das Jahrzehnt nachdenken, in dem erst die Pandemie, dann Putin besiegt wurde und ein politisches Europa entstand. Stay tuned.

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Ansonsten ist Sonntag, früher oder für einige auch heute noch ein Tag der Kirche. Beim NDR gibt es eine Radiosendung, die das mit aktuellen Interessen verbindet: Der Mensch im Mittelpunkt – Kirche und Künstliche Intelligenz. Da geht es etwa um KI in der Pflege und in der Verwaltung, und ich nehme gerne auch solche Beispiele zur Kenntnis. Im Grunde sind sie interessanter als viele Beiträge aus dem ewig gleichen Business-Kontext.

Und wenn man schon bei kirchlichen Themen ist, kann man schließlich auch noch etwas Ethik dranhängen, es passt schon: Beim MDR geht es um die Frage, wie moralisch KI sein kann.

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Hafencity, Blick über Wasser auf die Rückseite des Maritimen Museums, im Vordergrund ein Aufkleber an einem Metallgestänge: "Liebe für alle"

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Baustellen und Pausen

Das schnelle Ansteigen der Temperaturen draußen, die fortschreitende Abmilderung der Winterhärten, ich hätte sie fast am Schreibtisch verpasst. Nur zwischendurch sah ich einmal ohne besondere Neugier aus dem Fenster. Und es überraschte mich dann, dass die Kleinen auf dem Spielplatz unten schon in sommerlicher Kleidung Tischtennis spielten, schaukelten und rutschten. Dass auch ihre Eltern da mit offenen Jacken oder nur in Pullovern, in T-Shirts sogar, und außerdem in geradezu aufdringlich entspannter Körperhaltung in der Sonne, im Sand und auf den Bänken saßen. Dass sie auf einmal in aller Ruhe ihren Kaffee aus den großen Pappbechern tranken. An denen sie nun nicht mehr ihre Hände wärmen mussten.

Und dass der Himmel über ihnen blau war, eindeutig blau und auch nur blau, das überraschte mich ebenfalls.

Ein großer Schritt hin zur nächsten Jahreszeit war es, aus diesem Bild heraus gedeutet. Ich machte das Fenster weit auf, ich hörte allerliebsten Vogelsang. Nur knapp war der allerdings zu hören, er kam gerade eben noch durch das dumpfe Grollen der Abrissarbeiten neben unserem Haus. Von der Baustelle wehten gelblichgraue Staubwolken von stürzenden Gerölllawinen heran, muffig nach uraltem Keller riechend, feuchtmodrig und dumpf. All das Ungelüftete der Vergangenheit waberte die Straße entlang.

Von der anderen Seite aber weichere Luft mit einem gewissen Etwas darin. Über den sich nun öffnenden Knospen der Spielplatzrandbegrünung, mit einer Ahnung von April oder schon Mai im Abgang, lind und lau.

Das Brotberufsnotebook habe ich nach dem Prüfen der Temperatur, sechzehn Grad, siebzehn Grad waren es da gerade in Hamburg-Mitte, sagten die Apps, spontan zugeklappt. Noch mitten im To-Do, Unfertiges und etliche lose Prozessenden dabei abrupt hinterlassend. Meine digitalen Pendants zu Großbaustellen, Abrissarbeiten und bisher nur geplanten Neubauten. Wir tragen alle Helm, wir gucken alle auf Excel.

Dann machte ich das, was wirklich dringend an diesem Tag und daher prioritär zu behandeln war. In einem Sinne dringend war es, bei dem Aufgaben aller Art aus der beruflichen Sphäre gar nicht mithalten können, und zwar kategorisch nicht. Denn ich machte, was zwingend gemacht werden muss, nach Brauch, Tradition und wann immer es die Natur uns gerade vorgibt, ob nun durch den Klimawandel etwas verfrüht oder nicht. Man kann auch nicht alles bei allem bedenken und sich dadurch zielstrebig selbst versauen, man muss ab und zu Dinge ohne weitere Reflexion geschehen lassen. Siehe auch Liebe, Sex und andere spannende Themen, aber ich schweife ab.

Ich machte also den ersten Mittagsschlaf des Jahres bei geöffneter Balkontür, und es war sehr gut so.

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Am Abend dann noch ein langer Stadtspaziergang ohne die schwere, belastende, herunterziehende Winterjacke. Nur im leichten Sakko, ich fühlte mich wie ein Model auf einem Laufsteg, die Frühjahrsmode. So geht es hier also zügig voran und so wird es den meisten auch recht sein. Wie immer im März, denn man ist doch etwas bedürftig nach derartigen Draußendingen, zum Ende des ersten Quartals.

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Die Söhne aber behaupten währenddessen, sie hätten schon wieder Ferien. Womöglich stimmt ihre Annahme sogar, aber wer würde das noch kommentieren wollen. Ich jedenfalls nicht, denn ich habe zu tun und keinen Sinn für derartig exzessive Wellnesseinschübe zur Unzeit.

Ich frage diese beiden sinnlos herumhängenden Jugendlichen also auch nicht nach ihren Plänen für diese Ferien, oh nein. Sie würden ohnehin nur wieder lässig etwas von „Chillen“ murmeln, nehme ich stark an. In dieser vernuschelten, altersgerechten Aussprache würden sie es murmeln, bei der man nie weiß, ob sie wirklich ganz wach sind, geistig anwesend und zurechnungsfähig.

Sie würden da also wieder ein Programm benennen, das mir aus Gründen, die man in Romanlänge erklären müsste, also besser gar nicht, schon seit längerer Zeit nicht mehr zur Verfügung zu stehen scheint.

Aber gut. Vierzehn Tage lang werde ich wieder konsequent an den Söhnen vorbeidenken. Denn besser für alle und für den wichtigen Familienfrieden wird es so sein, und sie ziehen doch eh bald aus. Mit etwas Fantasie und Großzügigkeit gerechnet jedenfalls. Da kann ich die notwendige seelische Distanz bereits einüben und mich, während sie irgendwo in dieser Wohnung gut gechillt herumliegen, nur Meter von meinem Schreibtisch entfernt, weiter auf andere interessante Dinge konzentrieren.

Also etwa auf Arbeit und dergleichen mehr. Was man so macht.

Ein Stein am Wegesrand, er ist beschrieben mit dem Satz: "Auf dem Boden der Tatsachen liegt eiundeutig zu wenig Glitzer." Daneben Zigarettenkippen.

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Bezüge zur Wirklichkeit

Einen bemerkenswert schönen Begriff sah ich in der Überschrift eines Textes von Constanze Kurz bei Netzpolitik: Halluzinationsverhinderungswerkzeugkasten. So etwas kann man auch in den Kursen „Deutsch für Ausländerinnen“ als belebenden Scherz einbauen.

Aber auch der Text ist interessant, und der Inhalt ist außerdem etwas irre. Wie fast immer bei dem Markt, um den es da geht.

Wie bereits erwähnt, beschäftige ich mich im Moment auch aus brotberuflichen Gründen wieder etwas mehr mit KI oder AI. Ich lerne dazu, ich versuche, halbwegs up to date zu bleiben. Das ist ein dreiteiliges Lernen, fällt mir auf. Denn ich bemühe mich da einerseits, überhaupt mitzubekommen, was gerade geht und was alles entwickelt wird. Damit allein hat man schon recht viel Programm, denn es ist eine wilde Jagd.

Andererseits versuche ich auch hier und da, ein Tool oder eine Möglichkeit besser zu verstehen, zu testen usw. Und drittens geht es dann noch um die Bezüge zur eigenen Wirklichkeit in den verschiedenen Ausprägungen. Um die tatsächlichen Einsatzmöglichkeiten also, brotberuflich, freiberuflich, nebenberuflich, privat, als Schrebergartenpächter, Familienkoch, Hamburger etc.

Also um die echten, jetzt greifbaren, womöglich auch sinnvollen Möglichkeiten.

Von denen es aber nach wie vor verblüffend wenig gibt. Etwa 95%, vielleicht auch noch mehr der überall vorgeführten Anwendungen sind eher nicht interessant für mich. Darüber denke ich schon länger nach, denn es ist auf den ersten Blick etwas erstaunlich. Bin ich noch deutlicher anders als andere, als ich ohnehin schon dachte? Oder ist der Markt nennenswert weltfremder, fiktiver als man zunächst meinen sollte.

Bin ich nur zufällig oder am Ende auch wieder altersbedingt überall knapp neben den nach meiner Deutung angepeilten Zielgruppen? Es ist wohl nicht ganz einfach, sich das korrekt zu beantworten. Es kostet auch wieder etwas Zeit, und als ob man die hätte.

Währenddessen leide ich außerdem ein wenig unter oft eher seltsamen Anwendungsbeispielen. Die mich womöglich mehr aufregen, als sie sollten. In einem Artikel neulich, in der New York Times war es wohl, ging es etwa um die KI-gesteuerte App-Entwicklung, also um No-Coding-Varianten. Geschildert wurde dies am Beispiel einer App, in die man ein Foto seines Kühlschrankinhalts hochladen konnte und die dann Vorschläge für Sandwiches ausspuckte.

Ich habe durchaus verstanden, dass es nur ein Beispiel war. Es war wie bei einer Textaufgabe in den Mathebüchern der Söhne, bei denen man die geschilderten Szenarios auch nicht unbedingt erst nehmen muss, von wegen Vater hat achtzig Schrauben und dergleichen. Aber ich habe beim Lesen des Artikels dennoch die ganze Zeit gedacht: Hoffentlich erschießt mich jemand, wenn ich eine App benutze, um mir ein Brot zu schmieren.

Es mag ein Haltungsproblem sein. Am Ende fehlt mir das Spielerische, das geistig Herumtänzelnde. Hanseatisch ernst und gefasst entwickelt man vielleicht keine Zukunftstechnik. Oder zumindest nicht so eine.

Aber was soll ich machen. Ich wirke eben nur in Texten gelegentlich, als hätte ich so etwas wie Humor.

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Ansonsten wird, denken wir uns Fanfaren und Trommeln dazu, gerade und endlich die Renaissance der Blogs vermeldet, etwa hier (gefunden im angenehm kurzen, täglichen Newsletter von Thomas Gigold zu Social-Media-Zeugs).

Das ist jedenfalls eine gute Nachricht für mich, denn ich kann mich jetzt dadurch definieren, dass ich schon vor der Renaissance gebloggt habe – wie VSOP klingt das denn.

Und weil immer Fragen zu dieser offensichtlich mittlerweile ominös gewordenen Abkürzung kommen: die VSOP-Erklärung.

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Blick aus einem Innenhof zwischen Neubauten nach oben, Abendlicht, oben eine Mondsichel

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Unter uns kulturell beflissenen Widerständlern

Eine Empfehlung möchte ich noch einmal erneuern, nämlich die für Adelheid Duvanels Erzählungen in gedruckter Form, die mir freundlicherweise im letzten Jahr als Geschenk zugeschickt wurden. Hier die Perlentaucherseite zu dem Band „Fern von hier“, hier die Verlagsseite und hier außerdem eine Blogbesprechung.

Kurze oder sehr kurze Texte sind in dem Buch. Teils sind sie seltsam surreal abdrehend, teils lesen sie sich wie etwas ausufernde, ungebremste, hintenrum und wie unabsichtlich zu Prosa gewordene Lyrik. Dabei sind sie alle präzise und geradezu beneidenswert gut beobachtet.

Ich bin als schreibender Mensch gerne neidisch auf die Leistungen anderer, ich denke gerne „Das hätte mir aber auch einmal einfallen können!“ Ich finde Texte gerne gut und erfreue mich daran. Da kann man dann abends denken, dass man immerhin etwas Gutes gelesen hat. Und das ist dann etwas zum Festhalten, wenn der Tag sich sonst wieder drittklassig angefühlt hat.

Dieses Buch jedenfalls liest sich, um es etwas verdreht auszudrücken, wie ein ausgesprochen nüchtern beobachteter und dann sorgsam notierter Trip. „Sanfte Verweigerer und Widerständler des Daseins“ werden laut der einen Rezension in den Texten der Duvanel beschrieben. Wer möchte da nicht sofort heftig sympathisieren.

Sie möchten meist lieber nicht, die Figuren der Duvanel, und ich zumindest kann da mühelos anschließen. Es ist mit Sicherheit kein Werk des Mainstreams-Geschmacks, dazu ist es zu exzentrisch. Aber es ist doch für eine besondere Situation hervorragend geeignet.

Nämlich wenn man abends viel zu erschöpft und auch zu tagwerkdumm zum Lesen ist, aber unbedingt gegen alle Widerstände doch noch zwei, drei Seiten konsumieren möchte, die es auf irgendeine Art in sich haben. Weil man eben durch und durch ein Buch- und Kulturmensch ist, also zumindest im so mühsam bewahrten Selbstbild, welches es weiterhin durch alle Widrigkeiten stoisch zu unterstützen gilt. „Bleiben und stille bewahren, das sich umgrenzende Ich“, oder wie der olle Benn das damals genannt hat. Sie wissen schon.

Weil man sich das also noch für mindestens zehn Minuten beweisen muss, bevor man kulturell wenigstens minimal angereichert doch wieder allzu schnell wegdämmert.

Dafür jedenfalls ist ein bestens geeignetes Buch, das wollte ich nur eben sagen.

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Letzte Woche sah ich ansonsten zwei am Rande bemerkenswerte Schlagzeilen bei der Tagesschau online, fällt mir noch ein. Bei der Tagesschau, die auch längst und leider auch viel zu deutlich in eher seltsame Welten abdriftet. Nämlich zum einen die fette Zeile über einem freundlich lebenshelfenden Text, in dem erläutert wurde, wie man von Dividenden leben könne. Und zum anderen eine Ausführung, wie sich die Eisbären gerade an den Klimawandel anpassen. Hat da am Ende auch jemand etwas von „FDP stärken“ auf ein Zettelchen geschrieben und irgendwo reingereicht? Zu spät, aber doch? Man weiß es nicht. Man rät nur so herum, weil man eben dauernd Erklärungen sucht, in diesen wirren Zeiten.

Aber wie auch immer. Meine Dividenden reichen dummerweise nicht für alles aus, rücksichtsvoll ausgedrückt, stelle ich beim morgendlichen Nachzählen fest. Ich benötige also weiterhin einen Brotberuf für die finanzielle Grundversorgung der Familie. Noch so ein unbewältigtes Problem.

Ich habe also, das stand dann schon zu unchristlicher Uhrzeit fest, gewiss alles falsch gemacht im Leben, und ich startete dann von dieser Erkenntnis peinlich berührt in den Tag. Das war ein suboptimaler Beginn eines Werktages und zeigte mir wieder grell die Gefahren des regelmäßigen Medienkonsums auf.

Aber was soll man machen. Was soll man nur machen, als notorischer Widerständler des Daseins.

Boote der weißen Flotte am Anleger Jungfernstieg unter für Hamburger Verhältnisse recht blauem Himmel

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Leuchtturmverschiebungen

Ein Bürgerinitiativenbericht aus jenem Land mit dem gruseligen Präsidenten, etwas oberhalb von Mexiko

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Und bei Joan Westenberg einige weitere Hinweise zur Entmilliardärisierung der diversen Tools auf dem Computer und auf dem Smartphone. Oder siehe dazu auch hier. Ich lese so etwas mit Interesse, und neige dazu, die Notwendigkeit der Umstiege auch zu verstehen und einzusehen. Aber ich hänge in der Umsetzung doch hinterher, denn es kostet alles Zeit. Man müsste dafür Urlaub nehmen, geschichtlich bedingten Sonderurlaub vorzugsweise, denke ich manchmal. Um es alles konsequent und umfassend anzugehen, um sich an die neuen Lösungen und Tools zu gewöhnen, um sie für sich zu zähmen.

Dauernd denke ich, ach komm, das machste entspannt am Wochenende. Dann kommt das Wochenende und wirkt aber ungeeignet für ein so detailreiches, mehrstündiges Vorhaben. Und so wirkt auch das Wochenende danach, ebenso wie übernächste. Meine aktuelle Versuchsreihe kann als Beweis genommen werden, und da ist Selbstkritik angebracht. Das muss besser werden.

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Am Montagnachmittag gab es noch einen Besuch bei der Zahnärztin, wobei mir auffällt, da heute Mittwoch ist, dass es zwischendurch einen Dienstag gegeben haben muss. Der ist mir gar nicht weiter aufgefallen, aber egal.

Bei der Zahnärztin immerhin passierte nichts Schlimmes. Aber ich konnte mich ohnehin kaum auf ihre Behandlung konzentrieren, weil meine Bandscheiben mit ihrem Stuhl in derart besorgniserregendem Ausmaß nicht klarkamen, dass ich bald die Vorstellung hatte, von dieser Praxis direkt in eine orthopädische wechseln zu müssen, krumm wie ein Angelhaken und schneckenlangsam.

So jedenfalls kann man sich auch erfolgreich von der alten Angst vor Zahnproblemen kurieren. Man muss nur warten, bis Rückendramen alles andere deutlich überwiegen. That was easy!

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Eine weitere alte Reisebeschreibung habe ich gehört, diesmal war sie von Hans Christian Andersen. Sie ist wiederum in der ARD-Audiothek verfügbar: „Reiseschatten – Von einem Ausfluge nach dem Harz, der Sächsischen Schweiz im Sommer 1831.“ Im Gegensatz zum grummeligen Grillparzer ist Andersen hochgradig begeisterungsfähig. Er findet vieles schön, Gegenden, Landschaften, Städte und Dörfchen. Sogar Menschen mag er, verehrt einige gar, spricht von Herzensdingen und driftet erwartungsgemäß zwischendurch auch ausdrücklich ins Märchenhafte ab.

Er sieht Wesen aus anderen Welten, die anderen Reisenden eher nicht zuverlässig begegnen – und er kommt auf seiner Reise auch durch Travemünde, Lübeck und etwa Wandsbek. Da war ich überall auch schon einmal, was immer nett ist. Da kann man etwas wiedererkennen und Bestätigungen oder Widersprüche suchen.

Der Leuchtturm in Travemünde etwa, der kam dem Herrn Andersen noch eindrucksvoll hoch vor, so alt ist dieser Bericht. Denn dieser Leuchtturm hat, ohne sich zu verändern, doch sehr an Höhe eingebüßt. Nur durch die Veränderungen um ihn herum.

Das kennen wir selbstverständlich alle in ähnlicher Weise, die wir auf einmal linksaußen sind, ohne uns groß verändert zu haben, und obwohl wir uns doch neulich noch deutlich mittiger gefühlt haben. Die Veränderungen der Verortung in gedanklichen und realen Räumen im Laufe der Jahre – da haben wir dann schon wieder ein Aufsatzthema für den Rest des Tages. Zur Abarbeitung in Gedanken oder im Raum für Notizen.

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